Ehe, Scheidung,… Ist Wiederheirat erlaubt?

Immer wieder begegne ich Leuten, die, weil sie sich der Bibel gegenüber als dem Wort Gottes verpflichtet fühlen, eine Wiederheirat für Geschiedene kategorisch ablehnen. Weil ich mich ebenfalls der Bibel gegenüber verpflichtet fühle, kann ich diese Leute verstehen, und möchte sie nicht generell als Pharisäer bezeichnen. Ist es denn ein Fehler, treu dem Worte Gottes zu gehorchen und sich dem liberalistischen Geist der heutigen Zeit, der besonderes in der westlichen Welt herrscht, entgegenzustellen? Hat nicht Jesus selbst darauf hingewiesen, dass es auch auf das Jota ankommt und man nicht leichtfertig Gottes Anweisungen ignorieren sollte? Ja, Er hat es getan und Er war es, der immer auf den Willen des Vaters gehört und ihm gehorcht hat. Durch seinen Gehorsam, sind wir, die Ungehorsamen, gerecht geworden! Wer eine geringe Sache einfach umstößt, tut es morgen mit einer großen! Die Verrückung der Grenzen ist in vollem Gange!  Was ist der tiefere Sinn dieser Bibelstelle von Mt. 5:17 ff? Darüber müsste man ausführlich nachdenken. Ist es die Errichtung eines neuen, noch genaueren „Buchstabengesetzes“?

Ob jemand aus einem pharisäischen, überheblichen Geist heraus handelt, in seinem Reden, Denken und Tun, kann letztlich nur Gott beurteilen, der unsere Herzen kennt. Ob jemand die Befolgung eines Gebotes in einem tieferen, umfänglichem Sinne meint oder sich nur in einem leichtfertigen, rebellischen Geist vom Gehorsam Gott gegenüber befreien will, kann ebenfalls nur Er entscheiden. 

Hier nun ein Dialog mit jemandem, der bzgl. der Wiederheirat Geschiedener eine andere Meinung vertritt und meine Antwort darauf:

Sie Schreiben: Man beachte, was zuvor geschrieben steht: V.5 … und die zwei werden ein Fleisch sein,  V.6 .. was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden, V.7 … warum hat denn mose geboten, ihr eine Scheidebrief zu geben…aber dann beachte man doch bitte was Jesus nun in V.8 sagt:„Moses hat wegen eurer Herzenshärtigkeit euch gestattet, eure Frauen zu entlassen; von Anfang aber ist es nicht slso gewesen“.

Dem allen kann und muss ich auch voll zustimmen. Allerdings hat ein Bund eines vollkommenen Gottes mit dem unvollkommenen Menschen immer auch mit menschlicher Sünde (Zielverfehlung) zu tun. An dieser Stelle hatte der Bund mit dem Volk Israel seine Ausnahmereglungen, um die Menschen nicht in einer unlösbaren Situation zu belassen. Sollte Jesus, der ja auch der Gott des Alten Testamentes ist, im Neuen Bund anders handeln? Auch wenn die moralischen Ansprüche im Neuen Bund ungleich viel höher sind und die Innewohnung des Heiligen Geistes die Menschen dazu befähigt nach Gottes Gesetzen zu handeln, weil er ihnen ein „neues Herz“ durch die Wiedergeburt gegeben hat – gemäß den Verheißungen bei Jeremia und Hesekiel.

Dennoch, wer in die Lehrbriefe hineinschaut und neutestamentliche Gemeinde wirklich kennt – ich spreche gar nicht mal von den „Namenschristen“ und Menschen, die nur äußerlich oder aus Tradition fromm sind -, weiß, dass auch bei wiedergeborenen Christen, Leuten, die wirklich mit ganzer Hingabe Christus nachfolgen wollen,  „Unfälle“ geschehen, die es aus pastoraler Sicht zu klären gilt.

Meine Freunde sind Missionare in Südamerika, teils in Elendsvierteln und teils unter den Guaranies in Argentinien. Was sollten sie nun tun, wenn eine geschiedene Frau zu ihnen kommt mit einigen Kindern von unterschiedlichen Vätern und nun nach einer -evtl. sogar neuen Bekehrung – jemanden findet, der für sie und die Kinder sorgen und nun mit ihr zusammenleben will. Das ist kein Einzelfall, sondern manchmal Norm! Soll er ihr gebieten, allein zu bleiben? Was ist mit den Leuten, die vorher zwar nicht verheiratet waren aber promiskuitiv gelebt haben? Die dürfen dann heiraten? Ach ja, da gibt es dann die Leute, die sagen, dass dies ja alles vor der Bekehrung geschah …. Dann ist es nicht gültig?!

Weiter sagen Sie: Das sagt mir: Unter dem Gesetz hat Mose gestattet wegen der Herzenshärtigkeit, jetzt leben wir unter Gnade! Gott gab dem wiedergeborenen Christen ein neues Herz, (nicht mehr hart wie Stein) und mit diesem neuen Herzen haben wir Christen nun Jesus selbst mitsamt dem Vater und der Kraft des Heiligen Geistes die Möglichkeit nicht mehr „unserem steinernes Herz“ zu folgen, sondern uns durch die wunderbare Gnade und täglich von Gott zu dem Menschen verändern zu lassen, der aus der Gnade heraus lebt, jeder Tag, Gnade um Gnade, das steht uns täglich zur Verfügung. Und beachten wir bitte auch V. 9:hier sagt Jesus: „Ich sage euch aber:…, d.h. Jesus legt hier die „Latte wieder höher“, als sie unter Mose gestattet war. Und oben sagte Jesus bereits, von Anfang war es nicht so“! Jesus wollte den Standard heben und dies ist jedem Christen möglich. vgl. 2.Tim 3,5..“welche eine Form der Gottseligkeit haben, deren Kraft aber verleugnen“!

So verstehe ich diesen Abschnitt und nennt mich jetzt nicht gleich Pharisäer, gesetzlich und was es sonst noch alles für Verunglimpfungen gibt für Christen, die diesen Abschnitt so verstehen wie ich.

Ich möchte diese gegenseitigen Verunglimpfungen unter Christen völlig lassen! Ich hasse das! Ok, wenn jemand die Grundpfeiler des Evangeliums verleugnet, Jesus ist nicht Gottes Sohn, Er ist nicht auferstanden, die Bibel ist nicht Gottes Wort, man muss durch eigene Werke gerecht werden …., dann irrt er völlig, aber über viele andere Dinge kann man diskutieren, man muss sich damit auseinandersetzen, darüber nachdenken usw.

Aber eine persönliche Frage an Sie: Sind Sie Glied einer lebendigen Gemeinde, in der sich ständig Menschen bekehren aus unterschiedlichsten Verhältnissen? Auch junge völlig Entkirchlichte, die es gilt zu Jüngern Jesu zu machen? Es gibt ja auch traditionelle Gemeinden, in denen seit Generationen hohe moralische Regeln gepflegt werden, aber seit Jahrzehnten keiner mehr von draußen dazukommt, außer den ein oder anderen Abgeirrten aus den eigenen Reihen. Glauben Sie mir, ich habe große Liebe zu diesen Gemeinden und Geschwistern. Man hat dort „relativ“ seine Ruhe (Musik, Kleidung, Gottesdienstgestaltung, …..) Ich habe in solchen Gemeinden viele Freunde und kenne Sie gut. Doch ist das unsere Aufgabe als Christen, als Gemeinden? Wo ist der explosive, nach außen gerichtete Einfluss? Wo bleibt die Apostelgeschichte? Ja, ich weiß, wir leben in der letzten Dispensation, am Ende der Endzeit, da wird es immer gottloser, …… Kennen wir die Geschichte? Was ist mit den Millionen Bekehrten weltweit in der letzten Zeit in China, im Iran, in Indien, Afrika, Südamerika ….? Sollte Gott nicht auch  unsere Gesellschaft und Generation retten wollen? Dazu benötig er Leute, die bereit sind die Komfortzone zu verlassen!

Ich möchte Sie wirklich nicht als Pharisäer bezeichnen, wenn Sie sich dem Wort Gottes verpflichtet fühlen und nicht der liberalen, modernen Theologie. Ich möchte die Worte Jesu auch ernst nehmen. Doch ist für mich der Neue Bund nicht nur eine Sammlung von neuen nochmals überhöhten moralischen Gesetzen, sondern ein Bund der Gnade, der Wiederherstellung, der Vergebung.

Ich meinerseits wünsche Ihnen von Herzen Gottes Segen

Gernot Nakaten

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