Die Glaubenstaufe

Im vergangen Jahr habe ich nicht mehr an meinem Blog gearbeitet. Einerseits hatte ich mit persönlichen Dingen (Wohnungssuche, Umzug und Umbau) zu tun und andererseits habe ich den Eindruck, dass andere Leute soviel mehr wissen  und deshalb auch mehr zu sagen haben. Momentan empfinde ich mich mehr in der Rolle des Hörenden und weniger des Redenden. Doch erhielt ich vor einigen Tagen eine Email, die mich echt überrascht hat.

Zu meinen Ausführungen über meine eigene Glaubenstaufe und der biblischen Taufe allgemein, hat sich nun jemand geäußert, der vehement die Kindertaufe verteidigt. Er erbat sich von mir die Genehmigung, meine Ausführungen zu nutzen, um sie dann in seine Argumentation gegen die „Irrlehre der baptistischen Taufe“ einzubauen und die Kindertaufe zu begründen. Da meine Aussagen in seinen Augen völlig falsch sind, wollte er sie nutzen, um diese „Irrlehre“ zu widerlegen. Ich bat ihn, zuvor seine Identität und Motivation preiszugeben und sich mir mir vorzustellen.  Dies lehnte er aber mit eigenartigen Begründungen ab. Nun ja, inzwischen hat er mir seine gesamte Argumentationskette geschickt, worin er auch meine Aussagen erwähnt. 

Die Biblische Taufe und warum die Kindertaufe keine biblische Taufe ist.

Meine Antwort 

Auch wenn ich nur ein ein Hauptschulmeisterlein bin, bzw. war und nicht Theologe – Sie erwähnten – in meinen Augen etwas abschätzig- meine frühere Tätigkeit an der Schule – so hab ich doch meine Sinne zusammen, um Dinge klar zu sehen. Im Übrigen bitte ich um Achtung dem Lehrerberuf, oder überhaupt den Pädagogen in der heutigen Zeit gegenüber. Denn es handelt sich hier nicht mehr um jene verstaubten Oberlehrer, die unbelehrbar sind, sondern um Leute, die sich in täglicher Auseinandersetzung mit den Jugendlichen und ihren Problemen in der heutigen Zeit befinden  und geistig und emotional überaus beweglich sein müssen. (Er behauptete, dass ich als Lehrer ja wahrscheinlich sowieso wegen meines Berufes unbelehrbar sei!)

Sie machen sich in Ihren Ausführungen viel Mühe, die Kindertaufe zu beweisen und die Gläubigentaufe als Irrlehre hinzustellen. Leider fangen ihre Argumente nicht. 

Wie aus meiner Lebensbeschreibung hervorgeht, bin ich evangelisch besprengt und konfirmiert. Die meisten meiner Freunde damals waren katholisch und bei ihrer Kindertaufe mit heiligem Weihwasser besprengt worden.  Aber weder habe ich durch meine Kindertaufe später bei mir noch bei meinen Freuden irgendeine Innewohnung des Heiligen Geistes bemerkt. Lust am Bibellesen und Gebet und an der Nachfolge Jesu konnte ich nicht feststellen. Im Gegenteil, ich und die meisten – eigentlich alle – meiner Bekannten entwickelten sich zu mehr oder weniger atheistischen Gottlosen. Was mich zur Aussage veranlasst, dass die Kindertaufe so ziemlich der größte Betrug im Christentum ist. Es wird den Menschen suggeriert, sie würden durch diese Handlung auf übernatürliche Weise eine Wiedergeburt erleben und zu Christen werden. 

Erst als ich mich bewusst an Jesus wandte, Buße tat, indem ich mich von meinem alten Leben ab und Gott in Jesus Christus zuwandte, wurde ich wiedergeboren, erhielt den Heiligen Geist, eine große Lust zu beten und Bibel zu lesen und die Kraft, die Sünde zu lassen. Zum Zeichen dieser Wiedergeburt lies ich mich untertauchen (=taufen) und erlebte wenig später die Taufe im Heiligen Geist. Soweit zu mir. 

Ohne jetzt auf ihre Denkansätze einzugehen, möchte ich die Aussagen einiger Theologen aufführen, die sich in der Vergangenheit mit weitaus größerem Sachwissen als ich es jemals in der Lage wäre zu erwerben,  mit der Frage der Kindertaufe beschäftigt haben. Ich kenne zwar meine Bibel recht gut, aber ich bin kein Kirchenhistoriker und beherrsche auch die alten Sprachen nicht. 

Hier nun einige der Zitate bekannter Theologen und Kirchenhistoriker. Es gibt davon allerdings hunderte, die alle in die gleiche Richtung gehen: 

„Alle Spuren von Kindertaufe, die man im Neuen Testament hat finden wollen, müssen erst hineingetragen werden. Deshalb hätte man sehr früh, um der Einsetzung Christi wieder näherzutreten die Kindertaufe schon bei der Reformation fahren lassen können“ und weiter „Deshalb wäre es natürlich, es jedem evangelischen Hauswesen anheimzustellen , ob es seine Kinder wolle nach der bisherigen Weisen oder erst bei der Ablegung des Glaubensbekenntnisses zur Taufe darbieten, und wir sollten erklären, dass wir das über die Wiedertäufer ausgesprochene Verdammungsurteil, was diesen Punkt betrifft aufheben..“ Schleiermacher (Der christliche Glaube nach den Grundsätzen der ev. Kirche“ II, S. 418 und 423

„Das Gebot der Kindertaufe findet sich weder im Munde Jesu noch sonst im Neuen Testament; sie ist erst im zweiten und dritten Jahrhundert aufgekommen.“ und weiter „ Alles, was man in das Neue Testament hineingelesen hat ist pure Phantasie!“ K. Barth in „Calvin und das Schwert“ 

„Von Kindertaufe weiß das echte Evangelium, wie es von Christo und seinen unmittelbaren Jüngern verkündet worden ist, nichts. Wir können dem Evangelium nicht eine Einrichtung der Kirche aufzwingen, die durch das Evangelium nicht empfohlen wird.“ D. Beyschlag , Neutestamentliche Theologie 1. S 312.

„Zur Teilnahme am Kultus berechtigte die Taufe, welche an den zuvor unterrichteten und durch Fasten und Gebet vorbereiteten Katechumenen auf ihr christliches Glaubensbekenntnis hin in einem Flusse durch die Untertauchung – im dritten Jahrhundert auch an Kindern christlicher Eltern – vollzogen wurde.“ Prof. Böhmer, „System des christlichen Lebens“, S. 132

„Man wird doch wohl zugestehen dürfen, dass nirgend im Neuen Testament, auch nicht Mt. 28:19 die Kindertaufe eingesetzt worden sei.“ F. Frank, System der christlichen Wahrheit, 1886 II S 274

„Weder in der Heiligen Schrift noch in den ersten 150 Jahren der christlichen Kirche findet sich ein sicheres Beispiel der Kindertaufe und wir müssen gestehen, dass die zahlreichen Gegner derselben vom evangelischen Standpunkt nicht widerlegt werden können.“  D.A. Hahn, Lehrbuch des christlichen Glaubens, S. 556

„Die Übung der Kindertaufe ist in der apostolischen und nachapostolischen Zeit nicht nachweisbar.“ D.A. Hauck in „Der Protestant“, Real Enzyklopädia, Bd. 16, S. 246

„Natürlich ließen sich damals nur solche taufen, welche an Jesum Christum glaubten und Kindertaufe gab es noch nicht.“ W.Heidtmüller, Taufe und Abendmahl im Urchristentum, 1911, S. 19, 28.

„Obwohl die magisch-sakramentale Auffassung das Aufkommen der KIndertaufe begünstigte, blieb während des ganzen kirchlichen Altertums die Erwachsenentaufe die Regel.“ K. Heuffi, Kompendium der Kirchengeschichte, 1910, §21d

„Der Brauch der Kindertaufe lag diesem Zeitalter fern. Nicht allein die so spät aufkommende Erwähnung der Kindertaufe, der lange fortdauernde Widerstand gegen dieselbe lässt auf den nichtapostolischen Ursprung derselben schließen.“ J.W. Neander, Geschichte der christlichen Religion und Kirche. 

Lassen wir auch Tertullian sprechen, der von der Kindertaufe abriet,  obschon er selbst auch schon von dem magisch-mystischen Taufverständnis beeinflusst war:

Zwar spricht der HERR: „Wehrt ihnen nicht, zu mir zu kommen!“ (Mt 19:14). Nun wohlan, so mögen sie denn kommen, wenn sie erwachsen sind; sie mögen kommen, wenn sie lernen, wohin sie kommen, belehrt werden. Sie mögen Christen werden, wenn sie Christum erkennen können. Warum eilt das schuldlose Alter zur Sündenvergebung? Beweist man doch in irdischen Dingen mehr Vorsicht! Sollte man demjenigen, dem man das irdische Gut nicht anvertraut, ein himmlisches anvertrauen? Sie mögen erst verstehen, um das Heil zu bitten, damit es ihnen auf ihr Bitten hin gewährt werden könne. Wenn man das Gewicht der Taufe kennt, wird man eher die zu zeitige Erlangung, als den Aufschub derselben fürchten.“ Wenn auch Tertullians Ansichten selbst schon von heidnischen Vorstellungen beeinflusst waren, so sah er an dieser Stelle doch klar! 

Schon in früher nachapostolischer Zeit gewann der Einfluss an mystisch-magischen Vorstellungen in der Kirche Raum. So schreibt Johannes Warns in seinem Buch „Die Taufe“: 

„Was bei den sogenannten „apostolischen Vätern“ (richtiger den Schülern der Apostel, wofür jene Männer gehalten werden) in zarten Ansätzen bereits zu finden ist, tritt bei den nachfolgenden maßgebenden Lehrer deutlich hervor:“

Die dem Evangelium von Jesus und der Lehre der Apostel diametral entgegenstehenden Verirrungen der Kirche resultierten daraus. Unter vielen anderen seien erwähnt:

Monarchisch regierende Bischöfe als Verwalter des Heils mittels von    Sakaramenten, geweihten, zölibatär lebenden Priestern

– Kirche als Heilsanstalt und Rechtsverband

– Taufe als Mittel der Wiedergeburt

– Taufwasser als magisches Elexir 

– Die Kirche als staatliche Instanz, die weltliche Hoheit ausüben,           Ketzer verfolgen und Kriege führen kann. 

Dass sich die irrigen Vorstellungen von der Taufe mit denen im Heidentum deckten und wahrscheinlich von dort übernommen wurden kann nicht geleugnet werden! 

„Merkwürdig ist, dass schon in altgermanischer Zeit eine Art Untertauchung und Begießung der Kinder stattfand, mit der die Namensgebung verbunden war. Übrigens gehen auch unsere Patengeschenke auf die vorchristliche Zeit zurück, nämlich auf die altgermanische, dass die Namensgebung mit einem Geschenk verbunden sein musste.“ Lic. theol. Bröse im „Reichsboten“ Nr. 218

Bei Jesus und den Aposteln finden wir diese Vorstellungen nicht. Ihre Predigt war immer: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe und lasst Euch taufen zur Vergebung der Sünden. Welche Sünden sollten den kleinen Kindern denn vergeben werden. Von der sogenannten „Erbsünde“ finden wir weder bei Jesus noch bei den Aposteln irgend einen Hinweis.  Die Predigt von der Buße, von der Umkehr, dem „Umsinnen, umdenken finden wir bei den Propheten in der gesamten Schrift, bei Johannes dem Täufer, bei Jesus selbst und bei den Aposteln und sie wird bis heute überall da verkündet, wo das wahre Evangelium verkündet wird. In der Tat ist sie in keiner Weise abhängig von Denominationen. Sie hat nichts mit den Baptisten zu tun! Die Baptisten bzw. Täufer – Wiedertäufer, wie sie fälschlich genannt wurden – haben sie lediglich wiederentdeckt! Selbst, wenn in der Bibel von ganzen Familien geredet wird, die sich taufen ließen, so erging die Botschaft an die Erwachsenen und nicht an Säuglinge, an die Hörenden! Kinder und Säuglinge hat Jesus gesegnet.

Auf der ganzen Welt erleben auf diese Weise Millionen Menschen die Wiedergeburt und Taufe und immer mehr auch die Taufe im Heiligen Geist. Ich bin aber auch hin wieder solchen begegnet, die sich nach der Umkehr zu Gott in der Tauffrage auf ihre Kindertaufe beriefen und darin innerlich Ruhe fanden. Ich persönlich hätte das ja auch tun können, aber ich wollte meinen Glauben öffentlich durch die Untertauchung bezeugen. Es war nicht nur deshalb, weil es in unserer Gemeinde so gelehrt wurde, sondern ich fand diesen Weg in der Bibel! Was die Menschen anbetrifft, die das nicht so sehen, urteile ich nicht, sondern betrachte sie als Geschwister in Christo. Für mich gibt es in den verschiedensten Denominationen wahre Nachfolger Jesu, die eine bewusste Entscheidung für Jesus, eine Wiedergeburt erlebt und den Heiligen Geist empfangen haben, auch wenn ihre Lehre nicht so ganz biblisch oder gar völlig unbiblisch ist. Gott in seiner Souveränität handelt eben anders als wir es denken. Der Geist weht, wo er will. An dieser Stelle bin ich auch völlig entspannt und halte es mit dem Bibellehrer des Paulus, Gamaliel, der sinngemäß sagte, dass das, was von Gott kommt nicht untergehen wird. 

Leider haben die Amts- und Staatskirchen in der Vergangenheit immer wieder nach weltlicher Macht und Einfluss getrachtet und haben sie auch erlangt. Dadurch haben sie ihren Status als „Dienerin“ verloren und sind Herrscher geworden! Die vom Heiligen Geist immer wieder eingeleiteten Erweckungsbewegungen und Rückbesinnungen auf die Grundlagen der Lehre Jesu und der Apostel haben sie mit grausamer Hand niedergeschlagen. Sie sind schuldig geworden am Tod unzähliger Zeugen Jesu Christi und haben geglaubt Gott einen Gefallen zu tun! Darüber gibt es viel Literatur! Ein Buch, das den Weg der Gemeinde Jesu durch die Jahrtausende gut und leicht verständlich beschreibt ist das Buch: „Gemeinde Jesu in Knechtsgestalt“ von E.H. Broadband.

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