Hoseas Ehe – Gottes Geschichte mit dem Menschen

Für diejenigen, die von Herzen Christen sind, ist der Bund der Ehe ein Abbild der innigen Beziehung Gottes zu seiner Gemeinde, ja zu jedem Einzelnen in der Gemeinde. Nicht nur der Apostel Paulus interpretiert dies so, sondern in der Offenbarung wird von der „Braut“ gesprochen, Jesus spricht von der „Braut“ und auch das Alte Testament betont dies immer wieder, insbesondere in der Beziehung JHWHs zum Volk Israel. Eigentlich fängt die Bibel mit einer Ehe an und endet auch mit einer Ehe und dazwischen ist die Geschichte, der Liebesbeziehung Gottes mit dem Menschen.

So sehr die Ehe unter dem Schutz und Segen Gottes steht, so sehr ist sie aber auch umkämpft. Die vielen zerbrochenen Ehen auch unter Christen bestätigen dies.

Eine gescheiterte Ehe ist immer eine Katastrophe und hinterlässt sehr oft enttäuschte, verletzte Menschen. Wie trotz einer solchen Katastrophe dennoch Segen entstehen kann, las ich in einem Artikel in Christianity Today, den ich hier übersetzt habe:

Wer den Originalartikel lesen will, findet ihn hier.

 

Hoseas Geschichte in meinem Leben

Selbst als meine Frau untreu wurde, erfuhr ich weiterhin die treue Liebe Gottes. Craig Keener/ 15. Januar 2016

Viele Leute kennen mich als Lehrer des Neuen Testaments. Um mein Bibellesen jedoch im Gleichgewicht zu halten, sind die meisten meiner Andachten aus dem Alten Testament. Tatsächlich ist mir Gott ganz besonders tief in den prophetischen Büchern wie Hosea und Jeremia begegnet, dort, wo Gott über sein Volk trauert, das sich weit von ihm abgewandt hat. Gott wollte, dass sein Volk in einer innigen Beziehung mit ihm lebte, eine Bundesbeziehung, die die Bibel mit einer Ehe vergleicht.

In Hosea erfahren wir von Gottes gebrochenem Herzen, seinem Verlangen nach seinem Bundesvolk, das ihm so oft untreu war. Und sie wandten sich tatsächlich gehen ihn, demjenigen, der Ihnen half (Hos. 13:9). Später klagt Gott durch den Propheten Jeremia:

„Denn zweifach Böses hat mein Volk begangen: Mich, die Quelle lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen auszuhauen, rissige Zisternen, die das Wasser nicht halten“ (Jer. 2.13).

Doch Gott blieb selbst in seinem Zorn Israel treu. In eifersüchtiger Liebe erklärt Gott, dass er ihnen das entreißen würde, was sie so schätzten, die Gaben, die sie irrtümlich den falschen Göttern zuschrieben, so dass sie lernen würden auf ihn allein zu vertrauen (Hos. 2:8-13).

Von Gottes Liebe ergriffen predigte ich eine meiner ersten Predigten – als Student – über Hose 11:8. Hier in der Mitte der Gerichtsankündigung über Gottes Volk, zerbricht Gottes Stimme aus Liebe zu Ihnen:

„Wie kann ich euch das antun, was ich Adama und Zebojim antat?“ Adamah und Zeboyim, waren ,wie Sodom und Gomorrha, Städte, die Gott in seinem Zorn zerstört und verbrannt hatte (Deut. 29:23). Gott wollte Israel nicht so behandeln wie diese Städte und rief aus: „Mein Herz kehrt sich in mir um, ganz und gar erregt ist all mein Mitleid“ (Hos 11:8-11)

Gottes Liebe für sein untreues Volk wird veranschaulicht in Hoseas Ehe mit der untreuen Frau (1:2). Hosea scheidet sich von ihr wegen ihrer Untreue, was Gottes Gericht über Israel darstellt (2:1-3). Obwohl die Gelehrten darüber streiten, ob Hose seine untreue Frau in Kapitel 3 wieder zu sich nahm, glaube ich, dass er es tat, um auf Israels Wiederherstellung hinzuweisen.

Nach Beendigung des Studiums habe ich immer wieder anschaulich die Geschichte von Hosea geschildert, wenn ich in den Folgejahren über dieses Buch lehrte. Was ich aber niemals erwartete, dass dieser Teil von Hoseas Geschichte schließlich meine eigene werden würde.

 

Abgelehnt vom Geliebten

Im letzten Semester des Seminars, sprach meine Frau davon, sich von Gott abzuwenden, und ihr gesamtes Benehmen änderte sich schlagartig. Im Gebet sagte Gott mir, dass sie untreu sei. Ich bezog das auf ihre Untreue zu ihm. Aber als sie und der Ehemann ihrer besten Freundin zusammen für ein Wochenende verschwanden, erkannte ich die furchtbare Wahrheit. Nachdem sie ein paar Tage später zurückkam, eröffnete sie mir, dass sie mich verlassen und den Ehemann ihrer besten Freundin heiraten würde.

Die beiden Dinge, die für mich allergrößte Bedeutung hatten, waren meine Ehe und mein geistlicher Dienst. Jetzt erschien es so, als sei beides verloren, jenseits aller Hoffnung. Damals bestand innerhalb meiner Denomination für Leute, deren Ehe zerstört war, wenig Hoffnung für einen Dienst. (Gott sei Dank haben sie seitdem ihre Politik darin geändert)

Ich war am Boden zerstört. Ich fühlte Gottes Gegenwart nicht mehr. Ich konnte nicht beten, außer immer wieder Jesu Name zu anrufen. Jahrelang hatte ich insgeheim gefürchtet, dass, wenn mein Glaube und mein Sinn für Gottes Gegenwart zerstört würden, ich wieder in den Atheismus meiner Jugend zurückfallen würde. Jetzt war ich zu zerbrochen und taub, um irgendetwas zu fühlen. Ich hatte es nötig unter anderen Leuten zu sein, um aus ihrem Lebensmut zu schöpfen.

Aber irgendwie konnte ich weder an Gott noch an seiner Gegenwart zweifeln. Eines Nachts konnte ich nicht schlafen und ging draußen spazieren. Ein Polizist hielt mich an und sagte, jemand habe einen Fremden in der Nachbarschaft herumgehen gesehen. Ich entschuldigte mich und erzählte ihm, dass ich nicht schlafen konnte, weil meine Frau im Begriff war mich zu verlassen. Ein mitleidiger Blick ging über sein Gesicht und er sagte: „Oh, ich bin letztes Jahr ebenfalls durch dasselbe hindurchgegangen. Gehen sie nur weiter.“

Während ich ging und betete, fühlte ich, wie Gott die Taubheit meines Herzens durchschnitt und sagte: „Mein Kind, deine Frau hat dir nichts angetan – genauso wie Hoseas Frau ihm auch nichts angetan hatte -, was mein Volk mir nicht auch schon angetan hat. Tag und Nacht rufe ich nach ihnen in Liebe. Und Tag und Nacht, sind die meisten mit Dingen beschäftigt, die sie mehr lieben als mich.“

Meine eigenen Schmerzen halfen mir, Gottes Herz besser zu erkennen.

Er liebt uns mehr als wir es uns jemals vorstellen können, und sein Herz ist zerbrochen über die, die ihn ablehnen, die den vergänglichen Freunden mehr nachjagen als der ewig währenden Freude ihn zu kennen. Sein gerechter Zorn, der durch die Propheten erschallt, hat etwas von der Qual eines betrogenen tief verwundeten Ehemanns (Hos. 1:6-3:5).

Eines Tages besuchte ich die Versammlung einer evangelisch-presbyterianischen Kirche (USA) und der Prediger lehrte aus dem Buch Hosea. Ich teilte ihm meine Hoffnung mit, dass meine Geschichte so enden könnte wie die von Hosea. Doch er warnte mich zu Recht, Gott könne für mich ein anderes Ende vorgesehen haben.

Nach zweieinhalb Jahren, schied sich meine Frau von mir, weil wir bereits leiblich getrennt waren. Sie heiratet den Mann ihrer Freundin und ich musste die Hoffnung aufgeben, dass sie wiederkommen würde. Beiden gegenüber betonte ich, dass ich sie lieben und ihnen vergeben würde. Wie konnte ich auch nicht vergeben, wo ich selbst doch oft Gottes Treue und unverminderte Liebe vernachlässigt und er mir vergeben hatte?

 

Lektion für ein zerbrochenes Herz

Bis zur endgültigen Scheidung, tat ich alles, was ich konnte, um diese zu verhindern. Aus Sorge um meine Ehe und aus Angst um das geistliche Wohl meiner Frau, war ich bereit alles daran zu setzen, um Wiederherstellung zu suchen. So lange ich Hoffnung hatte, dass meine Geliebte zurückkehren könnte, war ich bereit den Schmerz der Zurückweisung zu ertragen. Aber ich war nicht immer voller Hoffnung und manchmal wollte ich einfach nur, dass meine Qual ein Ende hätte.

Ich erkannte, dass Gott weit geduldiger ist, als ich es jemals sein könnte. Aber die Bibel lässt erkennen, dass es auch bei Gott einen Punkt ohne Rückkehr gibt. In seiner unbegrenzten Liebe hat es Gott gefallen seinen Sohn zu senden, um die Schmerzen des Kreuzes zu erdulden, lieber als die Schmerzen unserer ewigen Trennung von ihm. Doch wenn, trotz Gottes treuer Langmut, Leute beständig seine Erlöserliebe ablehnen, überlässt Gott sie schlussendlich der Trennung, die sie selbst gewählt haben.

Als Gläubige, haben wir das Kreuz nicht abgelehnt. Doch trotzdem sind wir Gott oftmals untreu. Er hat Verlangen nach unserem innigen Vertrauen in ihn. Und allzu oft laufen wir nach dem her, was in Welt etwas gilt, anstatt Gott mit unserem ganzen Sein nachzufolgen. Manchmal sind wir mehr unreife als reife Kinder. Wir rufen nach Gott, wenn wir ihn brauchen, vergessen aber, dass er uns hingebungsvoll liebt und er eine dynamische, eheähnliche Beziehung mit uns haben will. Als Resultat versäumen wir es immer wieder ihn zu lieben und die anderen so zu lieben, wie er es tut.

 

Gottes treue Liebe

Gott ist geduldig und treu. Er ernährt uns, damit wir wachsen. Aber manchmal, wie das alte Israel, brauchen wir auch seine Erziehung, so dass unsere Zuneigung wieder in seinen Richtung gelenkt wird. Wenn Gott es vorzieht uns Dinge wegzunehmen, die wir schätzen, dann deshalb, weil er uns liebt und uns lehren will, das wertzuschätzen, was letztendlich wirklich zählt.

In der Zeit meiner Trennung und Scheidung hatte ich Angst, dass mein eigenes Leben vorbei war. Ich fühlte mich nutzlos für Gottes Reich. Ein christliches Ehepaar unterbracht sogar die Gemeinschaft mit mir und erklärte, dass der Weggang meiner Frau ein Zeichen des Gerichtes über mich sein müsse. Doch das Empfinden, dass Gott mich dazu drängte, ihm immer zu dienen, brannte in meinem Herzen, trotz des Zweifels, dass Gott mich jemals wieder brauchen könnte. Ich führte auch weiterhin Menschen zu Christus, lehrte Studenten die Jüngerschaft und war bereit für den Ruf, den ich zu haben glaubte. Und Gott hat mich immer versorgt, manchmal auf überraschende Weise.

Jetzt drei Jahrzehnte weiter, danke ich Gott, dass er mich durch diese schwierige Zeit hindurchgebracht hat. Es hat ihm gefallen mich zu benutzen, manchmal im Gemeindedienst, aber besonders in der Lehre und im Bücherschreiben.

Und doch vernachlässige ich Gottes Liebe von Zeit zu Zeit. Doch er erinnert mich an seine Liebe und zieht mich hin zu sich. Es ist schwer zu verstehen, wie jemand Gottes Liebe erfahren kann und ihn nicht immer wie verrückt liebt. Sogar mitten in unserer Zerbrochenheit – vielleicht speziell mitten in der Zerbrochenheit – ist seine Liebe präsent. Auch das ist eine Botschaft, die Hosea uns zeigt. Der Gott mit dem zerbrochenen Herzen, dessen Liebe ewig währt, liebte uns bis zum Tode am Kreuz.

 

Craig Keener ist F.M. und Professor für Biblische Studien in Ashbury Theologisches Seminar und co-Author des herauskommenden Buches „Impossible Love“ .
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