Der Zehnte

Freie Kirchengemeinden finanzieren sich nicht von der Kirchensteuer, sondern mit Hilfe eigener Spenden. Oft geben sie den Zehnten. Im angelsächsischen Bereich heißt das „tithing“. Die meisten Gemeinden sind neutestamentlich ausgerichtet und sehen kultische Gebote, die für das Volk Israel, galten, der paulinschen Lehre folgend, nicht mehr als verbindlich an: Beschneidung, Sabbatgebot, Speisegebote etc.. Die Beschneidung ist die des Herzens (Kol. 2:11) Der Sabbat ist mit Christus angebrochen, und wir sind eingeladen in die Sabbathruhe hineinzugehen und in ihr zu bleiben (Heb. 4:9-11), und was die Speisegebote betrifft, so sagt Jesus: „Was in den Mund hinein und durch den After hinausgeht, verdirbt den Menschen nicht, sondern die bösen Gedanken des Herzen, die aus den Mund hinausgehen (Mt. 15:11ff).

Überhaupt, so wird uns bezeugt, ist Christus des Gesetzes Ende und wer es wieder aufzurichten versucht, der ist unter dem Fluch (Gal. 3:10). Und wie ist das mit dem Zehnten? Die Gemeinden müssen ja finanziert, das Werk Gottes muss betrieben werden. Zudem soll unser Überfluss den Mangel der Armen ausgleichen. 

Was den Zehnten anbetrifft, habe ich schon manche Ansätze gehört, von denen mich allerdings fast alle nicht überzeugt haben.

Zudem klingen mir immer folgende Sätze im Ohr:

  • „Der Zehnte ist etwas für Geizhälse“ (gemäß 1.Tim. 1:8ff) und
  • „Gott sieht nicht das, was du gibst, sondern das, was du für dich selbst behältst.“ (Mk12,40)

In Christianity Today fand ich einen guten Beitrag, der mich sehr ermutigt hat und den ich deshalb übersetzt habe. Es geht hier um den „Zehnten vom Netto“ oder „vom Brutto“ und die Frage, ob man Gott beraubt, wenn man nicht den vollen Zehnten gibt. 
Wer ihn im Original lesen will, hier ist der Link. 

Heißt es, Gott zu berauben, wenn man den Zehnten vom Netto-Einkommen bezahlt und nicht vom Brutto? Nein, es heißt, sich selbst zu berauben. 

Die Israeliten waren niemals dazu verpflichtet mehr als 15 Prozent abzugeben.

Federica Mathewes-Green

Mein Mann und ich waren gerade Christen geworden, als eine Freundin uns während eines Seminars über das Zehntengeben informierte. Sie unterstrich die Wichtigkeit, die vollen 10 Prozent vor Steuern zu geben und das zu allererst, so dass wir Gott die Erstlinge unser Arbeit geben. 
Wir lehnten uns gegen diesen Gedanken auf, aber sie sagte, diese Praxis würde Gott Raum geben, Wunder in ihrem Leben zu tun. Sie und ihr Ehemann hätten einst ihren letzten Dollar in den Opferteller gelegt und der Pastor hätte sich umgedreht und ihnen die ganze Kollekte gegeben. Mein Mann und ich haben mit diesem Konzept direkt begonnen und niemals je in Betracht gezogen, den Zehnten vom Netto zu geben. Es erschien uns kleinlich, so mit einem Gott knausern, der uns alles in seinem Sohn gab.

Bald hatten wir uns so eingerichtet: 5 Prozent in unsere Ortsgemeinde und 5 Prozent für Notleidende. Aber nach einem Jahr, als es Zeit wurde unsere jährliche Verpflichtung der Gemeinde gegenüber zu erneuern, war ich innerlich überzeugt , dass eine radikale Erhöhung nötig war. Gott sagt: Bringe den vollen Zehnten ins Kornhaus“ (Mal 3:10) und das für unsere Familie, das bedeutet die örtliche Gemeinde. So sollte dann 10 Prozent in die Gemeinde gehen und 5 Prozent als Zusatzopfer für caritative Zwecke (Almosen). 

Als ich begann, dies meinem Mann zu sagen, waren wir überrascht. Unabhängig von mir war er zu der selben Überzeugung gelangt

Das Problem war, das wir gerade versprochen hatten, 5 Prozent unseres Einkommens, einem Missionar zu geben. Übernacht gingen wir von 10 Prozent auf 15 Prozent. 

Und doch haben wir nie gelitten. Wir sahen, wie Gott auf wunderbare Weise unsere Bedürfnissen stillte. Leute gaben uns immer Dinge, die wir brauchten, uns aber nicht leisten konnten: Eine Saatmaschine, einen Rasenmäher, einen neuen Gefrierschrank. Mehr als einmal fanden wir unerklärliche $50 mehr in unseren Ersparnissen. 

Über die Jahre tendierten unsere Gesamtgaben (inclusive Almosen) zwischen 15 und 20 Prozent. 
Wie andere vor uns fanden wir, wenn man einmal beschlossen hat, den Zehnten als erste Bezahlung zu geben und diese Gewohnheit zur Routine wird, werden alle anderen Ausgaben gedeckt. 

Gott benutzt eine starke Sprache bzgl. des Zehnten gebens (Mal. 3:8-9). Wir leben in einer Zeit, die sich durch eine solch starke Sprache verletzt fühlt und jede Aufforderung, etwas zu tun oder nicht zu tun, übel nimmt. Wir sehen uns selbst als Kunden, sogar in der Kirchengemeinde, und erwarten mit Achtung behandelt zu werden, denn der Kunde hat ja immer Recht. 
Aus diesem Grunde versagt diese Art von Mahnruf oft. Deshalb, das beste, was ich sagen kann, ist: Versuch´s. Nimm dir vor, einen Prozentsatz deines Einkommens zu geben. Beginne mit irgendeinem Prozentsatz und erhöhe ihn jedes Jahr ein wenig. Mit der Zeit wirst du den Zehnten erreichen. 

Dann wirst du so großzügig den Zehnten geben, wie die Leute in der Bibel, die in Bedingungen lebten, die wir als bittere Armut bezeichnen würden. So wie sie, gib Gott bevor du den Cäsar bezahlst, denn es gibt keinen besseren Indikator für Deine Prioritäten. 

Nein, leg deinen Taschenrechner beiseite

David A. Croteau

Die Frage hier unterstellt, dass das Zehnten geben auch von Christen verlangt wird. Das Wort im englischen „tithe“, der Zehnte, heißt 10 Prozent, nicht notwendigerweise 10 Prozent meines Einkommens. Die biblische Definition des Zehnten bedeutet, 10 Prozent der Ernte, die auf dem Boden Israels gewachsen ist oder des Viehs, das vom Land Israel ernährt worden ist. Es stand in direkter Verbindung mit dem Land Israel. Der Zehnte wurde im Jahr mehrmals erhoben, wahrscheinlich entsprach er mehr als 20 Prozent der Feldfrüchte. Niemandem wurde jemals auferlegt 10 Prozent des Gesamteinkommens (Feldfrüchte und Vieh) zu geben. Deshalb, wenn du nicht unter dem Alten Bund lebst und Feldfrüchte auf dem Boden Israels und Vieh, das vom Boden Israels ernährt wurde, hast, bist du gar nicht berechtigt den Zehnten zu geben (Lev. 27:30-33; Num. 18:2124; Deut. 14:22-29)

Lehrt die Bibel, den Zehnten nicht zu geben, sei Gott berauben? In gewisser Weise, ja. Die Frage bezieht sich auf Mal. 3:8-11. Aber der Begriff des Zehnten in Maleachi wird von der oben erwähnten Definition abgeleitet. Christen leben im Neuen Bund, deshalb hat sich die Richtlinie bzgl. unser Gaben gewandelt. Entweder ist die Latte höher oder tiefer, aber sie liegt anders.
Manche hören „Von Christen wird der Zehnte nicht verlangt“, und denken, das bedeute, „Christen brauchen nicht zu geben“. Nichts könnte der Wahrheit weniger entsprechen. Das Neue Testament gibt viele Anleitungen zum Geben, aber schreibt weder einen speziellen Prozentsatz vor noch bezieht es sich aufs Brutto oder Nettoeinkommen. 
Für viele reiche US Christen (die gesamte erste Welt, Anm.), könnten die 10 Prozent in gewissem Sinne als „Beraubung Gottes“ angesehen werden, denn das entspricht bei weitem nicht dem Standard der Freigebigkeit. Für die, die ein magereres Einkommen haben, kann sogar 10 Prozent Freigebigkeit und Opfer bedeuten. Wenn ich die obige Frage stelle, um herauszufinden, mit wie wenig ich davonkomme, wird ein ernsthaftes Herzensproblem deutlich.Wenn uns die Prinzipien des Neuen Testamentes bzgl. des Gebens leiten, wird der „Netto-Zehnte“ sowieso irrelevant. Gottes Volk sollte nicht nach Wegen suchen, weniger zu geben, sondern mehr!
Was sind einige dieser biblischen Prinzipien?
In 2.Kor. 8. werden uns 3 Motivationen für das Geben gezeigt. 
Erstens, es ist „Gnade getrieben“. Unsere Gaben sind eine Antwort auf die Gnade, die Gott uns durch Jesus Christus erwiesen hat. Je mehr wir erkennen, dass wir die Errettung nicht verdient haben, desto wahrscheinlicher wird es für uns, dass wir auf Gottes Gnade mit Freigebigkeit antworten. 

Zweitens werden Christen durch Beziehungen getrieben. (V 5). Viele Christen werden heutzutage so gelehrt, dass sie zum Taschenrechner „getrieben“ werden. Du gibst dein Einkommen ein, multiplizierst mit 10 Prozent, rundest auf und legst noch ein Opfer dazu. Aber Gott möchte, dass du eine Beziehung zu ihm suchst und nicht zum Taschenrechner. 

Drittens wird das Geben der Christen von der Liebe getrieben. In den Versen 8-9 beschreibt Paulus ein Beispiel dieser Art des Gebens: Jesu Tod am Kreuz, die ultimative Demonstration von Liebe. Auf dieser Linie ist unser Geben ein Barometer der Ernsthaftigkeit unserer Liebe. 

Ja, Gottes Wort ist deutlich

Stewe Steward

Um deutlich zu sein: Vor-Steuern oder Hinter-Steuern-Zehnten geben ist nicht eine Frage, ob man gerettet wird oder nicht. Den Zehnten finden wir auch nicht in den 10 Geboten. Gott liebt uns nicht mehr oder weniger, ob wir das AT Gebot des Verzehntens unserer Erstlingsfrucht halten oder nicht.

Millionen Amerikaner haben Jobs bei Firmen, die für die sozialen Belange monatlich Gelder, also Steuern einbehalten. Das tun sie, um den Einzelnen zu unterstützen, damit er nicht am Ende des Jahres das ganze Geld auf einmal bezahlen muss. Leute in Staaten mit Einkommensteuerabzug würden also Gott mehr berauben als Leute in den Staaten ohne diesen Abzug. 
Es gibt einen Scherz, der sagt: „Wenn du den Netto-Segen haben willst, bezahle vom Netto-Einkommen. Wenn du den Brutto Segen willst, dann bezahle vom Brutto-Einkommen. Aber selbst, wenn dieser Scherz zum Verzehnten des Brutto-Einkommens ermutigen will, ist es die falsche Herangehensweise an diese Frage, beim Verzehnten   irgendeines bestimmten Betrages den Fokus auf das zu richten, was man bekommt, statt auf das Geben.

Ich fordere die Christen heraus, zu bedenken, dass großzügiges Gegen des Zehnten ein anderer Weg ist, mehr wie Jesus zu werden. Geben heißt, unsere Augen von uns selbst abzuwenden. Geben in der richtigen Haltung lenkt unser Verhalten in eine neue Richtung. Wenn wir abwägen, ob vom Netto oder vom Brutto, heißt das doch nichts anderes als: Wie viel kann ich geben ohne zu viel zu geben? Das ist die Einstellung hinter dem Seufzen meiner Tochter, wenn ich daran erinnere, einen Zehner von jedem lieben Dollar zu geben, den sie verdient hat. Die nonverbale Antwort ist verwurzelt in unserer selbstbezogenen Natur, die der Bitte Gottes widersteht, am Bau seines Reiches mitzuhelfen, indem wir unserer Ortsgemeinde geben.
Die Definition des Zehnten bedeutet zehn Prozent der Erstlinge unseres Einkommens (Spr. 3:9). Und wir sollen dem Cäsar geben, was dem Cäsar gehört. So wird die Antwort unseres Problems deutlich.

Indem ich 10 Prozent von allem – vom Ganzen – gab, bekam ich mein selbstisches Verlangen in den Griff. Als ich einmal meine Herzens Einstellung geändert hatte, war ich in der Lage weiterhin 10 Prozent meines Bruttoeinkommens zu geben. Wir wurden schon bevor wir damit begannen gesegnet, und ich glaube wir sind heute noch mehr gesegnet. Es ist keine messbare Segnung oder etwas, was ich vorzeigen kann. Diese Debatte aus meinem Kopf zu streichen, erlaubt mir, mich mehr darauf zu konzentrieren Gott zu dienen. 

Maleachi unterstreicht unsere völlige Abhängigkeit von einem liebenden, Bundesgott und nicht einen fortwährenden Schuld-Trip. Wenn wir großzügig den Zehnten geben, vertrauen wir Gott mehr als unserer Brieftasche.

Ein Gedanke zu „Der Zehnte

  1. Der Zehnte ist für mich absolut keine Frage von muss ich oder muss ich nicht ? Vieles ist für uns so selbstverständlich im Leben, dass wir schon gar nicht mehr dafür danken. Strom, Wasser, Heizung. Ein Dach über dem Kopf, zu essen + zu trinken, unsere Gesundheit, Medikamente, Ärzte, Rente und so vieles mehr.
    Es heißt nicht umsonst: geben ist seeliger denn nehmen. Je mehr ich gab und das mit Freude im Herten, ob nun in die Gemeinde oder einfach einem Obdachlosen auf der Strasse (und ich rede hier nicht von 1 oder 2 Euro). GOTT segnet uns wahrhaftig und gibt ein vielfaches dessen zurück was wir bereit waren zu geben. Ich liebe Gott und damit kann ich ihm auf eine Art zeigen, dass ich ihn nicht nur mit Lob & Dank jeden Tag auf’s Neue wertschätze für all das Gute das er mir gibt in meinem Leben, sondern ebenso auch sein Wort. Das ist für mich ein wahrer Schatz. Man liest die Bibel nie aus und damit vieles darin auch immer wieder neu. Und man lernt sich auch zu demütigen vor dem König des Himmels. Amen

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