Tödliche, heilende Medizin

 

Ich musste Gift zu mir nehmen, wenn ich Hoffnung auf Leben haben wollte 

Unheilbarer Krebs! Ich konnte es kaum glauben, als ich die Diagnose hörte. Meine Frau und ich hatten gerade unseren 10. Hochzeitstag gefeiert, und unser Leben drehte sich in  freudiger Aufregung um den  einjährigen und dreijährigen Nachwuchs in unserem Hause.

Erste Untersuchungen hatten einige bedenkliche Ergebnisse hervorgebracht. Ich hatte die Wahrscheinlichkeiten erforscht und erkannt, dass ich nicht als Anwärter für diese Art von Krebs gelten konnte. Normalerweise bekommt man so etwas mit 70 und ich war gerade mal 39. Ein aggressiver Krebs, der bereits meine Schädel-, Arm und Hüftknochen befallen hatte.

Mit dem Psalmisten schrie ich: „Heile mich HERR, denn meine Gebeine sind Agonie. Meine Seele ist verängstigt. Wie lange HERR, wie lange HERR? Wende Dich zu mir HERR und befreie mich, um deiner niemals versagenden Liebe willen! (Ps. 6:2b – 4 Übertragung aus der KJÜ)

Wie würde die Heilung meiner Knochen und meiner Seele aussehen? Innerhalb von einer Woche bekam ich Chemotherapie und Behandlung mit Steroiden als 5-monatige Vorbereitung auf die Stammzellentransplantation.

Bald bemerkte ich, das war keine normale Transplantation, der Austausch eines kranken Organs durch ein gesundes oder die Infusion eines heilbringenden Medikaments.

Diese Medizin beinhaltete tödliches Gift. Zunächst mussten alle Stammzeilen aus meinem Blut entfernt werden. Dann erhielt ich eine intensive Chemo, entwickelt aus Senfgas, einer Chemiewaffe des 1. Weltkriegs. Dieses Gift griff die Krebszellen und die gesunden Zellen meines Knochenmarkes an. Es hätte mich definitiv getötet, wenn es nicht eine Möglichkeit der Wiederbelebung gegeben hätte.  Die Zahl meiner weißen Blutkörperchen ging gegen Null und ließ mich ohne jede Widerstandskraft gegen Infektionen zurück. In diesem Zustand ist man eigentlich nicht lebensfähig, und doch bestand die einzige Heilungschance in der Injektion des Giftes. Als dritter Schritt wurden die gesunden Stammzellen, die anfangs entnommen worden sind, zurück in meinen Körper injiziert.

 

Zunächst zirkulierten sie nur im Blut, aber die Doktoren hofften, dass nach einigen Tagen die Einbettung, die Annahme seitens des Körpers,  stattfinden würde und sie nun dem Körper beim Aufbau des Immunsystem helfen würden. Einen Monat lang musste ich im Krebsbereich bleiben, der speziell zum Ausschluss von Infektionen geschaffen worden war, gefolgt von mehreren weiteren Monaten unter Quarantäne.

Während des Transplationsprozesses blieb ich unter strenger Bewachung der Ärzte und Pfleger, weil die Anzahl meiner weißen Blutkörperchen so stark gesunken war. Das Gift wurde aus dunklen Behältern mit der Aufschrift „Gefährliche Drogen“ und „Risiko Medizin“ in meinen Körper geleitet. Während meine weißen Blutkörperchen verschwanden durchlebte ich Phasen starker Schmerzen, Übelkeit, schwerer Erschöpfung und Entmutigung. Die Doktoren nannten die Phase der endgültigen Senkung der Leukozyten als „das Tal“. In dieser Zeit ging ich durch das Tal der Todesschatten. Die Doktoren führten mich hinunter in das Tal des Todes, weil dies der einzige Weg zur Heilung war.

Gott sei Dank fand die Einbettung und Annahme seitens des Körpers statt und die Stammzellen halfen meinem Körper eines neues Immunsystem aufzubauen.

 

Keine Einbettung = kein Leben

Einbettung oder Einpfropfung ist eine Praxis aus dem Gartenbau. Man bringt einen Zweig in einer Pflanze so an, dass dieser mit der Pflanze zusammenarbeitet, so dass er Teil der Pflanze wird.

 

In meinem Fall musste ich vor der Stammzellen Transplantation eine Einwilligung unterschreiben, da, falls die Einbettung nicht stattfinden würde, ich sterben würde. Wegen der todbringenden Wirkung der Chemo hätte man auch einfacher formulieren können: Keine Einbettung = kein Leben.

 

Einpflanzung, Einpfropfung erinnert natürlich an biblische Bilder. In Römer 11 benutzt Paulus die reichhaltiger Bildersprache des Alten Testamentes, um zu zeigen wie die Heiden durch die Gnade eingepfropft worden sind in das Volk Gottes. Im Johannesevangelium spricht Jesus selbst davon, dass er der Weinstock ist und die Jünger die Reben, die nur dann Frucht bringen, wenn sie in ihm bleiben. Ohne ihn können sie keine Frucht bringen. Keine Einpflanzug = kein Leben.

Während ich meine Tortur durchlebte erkannte ich neu, was es für uns Sünder bedeutet, wenn wir tiefe Heilung von Gott erleben.

Wir bauchen nicht nur etwas Vitamine, keine Bandage, um eine Wunde zu bedecken, wir brauchen starke Medizin. Wir brauchen den Tod und die Vereinigung mit Christus, um Leben zu empfangen.

 

Viel zu oft habe ich gehandelt als sei das Evangelium ein Selbstverbesserungsplan, um die Muskeln zu stärken, um kleine Wunden zu heilen oder Erfolg zu generieren.

 

Aber im Evangelium geht es darum unser eigenes Leben zu verlieren, um mit Christus zu leben. Den Tod des eigenen Leben schmecken, um neues Leben und Heilung zu empfangen. „Haltet euch der Sünde für gestorben, aber in Christus lebendig gemacht“ Rö 6:11.

Unsere Hoffnung liegt nicht in uns selbst, sondern in unserer Einpflanzung – in unserer Vereinigung mit Christus. „So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln.“ Rö 6:4

 

Zur Heilung gibt es keinen anderen Weg als durch den Tod. Das gilt für uns alle. Gottes Evangeliumsmedizin ist keinen leichte Medizin, es ist keine kurze Massage oder Energiepille. Auferstehung und neues Leben können wir nur haben, indem wir unser altes Leben aufgeben für die Vereinigung mit Christus und unserem alten Ich absterben.

Wir benötigen unbedingt die Heilung! Und der große Arzt versorgt uns damit auf geheimnisvollen Wegen.

Wie Martin Luther erwähnt, so sind auch unsere geistlichen Anfechtungen, die Sorgen, die Nöte und die Angst unserer Seele Arzneien, mit deren Hilfe Gott uns von unserer Sünde trennen möchte. Dieser Prozess, der Trennung von unserer Sünde, bringt Heilung mit sich. Die Medizin mag uns wie Gift vorkommen und es hat wirklich mit einer Art Sterben zu tun, aber es führt zu Leben mit Christus. Denn wenn wir nach Heilung schreien, wenden wir uns an den gekreuzigten und auferstandenen HERRN, der uns Leben bringt, indem er uns mit seinem Tod und seiner Auferstehung vereinigt. Das ist in der Tat starke Medizin

(Übersetzt aus „Christianity Today, Artikel von J.Todd Billings, 17. November 2014)

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