Aus Glauben

„Der Gerechte wird aus Glauben leben!“

Als Martin Luther diesen Grundsatz erkannte, lebte er in einer Welt, die dominiert war von Religiosität, Gesetzes Frömmigkeit. Fromme Kulte und Riten beherrschten nicht nur das christliche Europa. Der Mensch musste immerzu einen zornigen Gott versöhnen und konnte dies vermittels des Geldes sogar stellvertretend für die Verstorbenen tun.

Wie anders hört sich der Grundklang des Evangeliums an: Nicht der Mensch muss Gott versöhnen, sondern Gott liebt die Welt so sehr, dass er seinen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern dass ewige Leben hat. Unsere eigenen Werke selbsterdachter Frömmigkeit haben vor Gott den Wert eines „schmutzigen Kleides“. Gott bewirkte durch Jesus Christus die Gerechtigkeit, die vor ihm gilt.

Es fiel dem eifrigen Mönch wie Schuppen von den Augen und erweckt in ihm eine große Gewissheit und Freude, Kraft und Motivation für Veränderung, die die Reformation hervorbrachte.

Viele Menschen haben diese Botschaft falsch verstanden. Sie nahmen sie zum Anlass, ihr eigenes Ich-Leben weiterzuführen ohne die Bedeutung von Glauben erkannt zu haben. Die Jünger Jesu, die ersten Christen, verstanden unter Glauben Nachfolge, Glaubensgehorsam, Treue.

Heute sehen wir eine Christenheit zersplittert in das Lager der traditionellen Kirchen und das neuer überall entstehender christlicher Gemeinschaften. In der so genannten Dritten Welt wachsen die neuen Gemeinschaften geradezu explosionsartig. Allein in China zählen sich inzwischen über 100 Mio. Menschen zu diesen Kirchen. Aber auch in Mittel- und Südamerika, in Afrika und Südostasien brennt das Feuer christlicher Erweckung.

In Europa hat sich der aufgeklärte Rationalismus durchgesetzt. Der Glaube, falls er überhaupt noch existiert, ist reduziert auf ein kleines, privates Minimum, dessen man sich nicht selten sogar schämt. Mit ironischem aber auch wehmütigen Unterton könnte man sagen, dass sich diese Haltung durch die Kinderarmut ihrer Besitzer von selbst lösen wird. Doch die Kirchen kämpfen verzweifelt. Die einen wollen zurück zu den Wurzeln und meinen damit einen traditionellen Ansatz: Das Hochhalten alter Formen und Rituale. Aber was nützen Formen, wenn der Inhalt fehlt; der Glaube an einen real existierenden, lebendigen, persönlichen Gott?

Inhalt kann hier nur sein der Glaube an den allmächtigen, gütigen Gott, an Seinen Sohn Jesus Christus und den in den Gläubigen wirkenden Geist Gottes. Der eine wahre Gott offenbart sich in drei Personen. Zur Grundlage seines und unseres Handelns hat er uns sein Wort gegeben, die Heilige Schrift. Ist Dreieinigkeit auch weder mit unserem menschlichen Verstand zu erfassen, noch explizit in der Bibel erwähnt, so leuchtet sie doch aus den Schriften des alten und neuen Testamentes hervor. (s. „Die Lehre der Bibel“)

Schon lange haben es weitsichtige Menschen geahnt und vorausgesagt, dass die Erkenntnisse der Wissenschaft niemals ausreichen werden, um die Welt zu erklären. Man öffnet eine Tür und sieben andere befinden sich dahinter. Das Geheimnis wird bleiben. Phantasievolle Menschen erdenken Modelle, versuchen Dinge zu erklären, die sich unserem Verstand nicht völlig erschließen können. Unser Erkennen bleibt Stückwerk. Alle Modelle gehen von nicht beweisbaren Grundsätzen aus, die man glauben muss. Insofern braucht sich von vorne herein keiner seines Glaubens schämen. Auch die Wissenschaft braucht eine Menge Glauben.

Die Schrift sagt, dass, wer sich Gott nähert, glauben muss, dass er existiert und denen, die ihm gehorchen ein Belohner ist. Ohne Glauben, ohne Vertrauen geschieht gar nichts. Das bloße „zur-Kirche-gehen“ und die Ausübung so genannter sakraler Handlungen nützten in sich alleine nichts. So erscheint es mir auch nicht weiter verwunderlich zu sein, dass in unserem Lande, in unserer Kultur, das, was noch vom christlichen Glauben übrig geblieben ist, in sich zusammen zu fallen scheint, trotz hin und wieder aufleuchtender Ereignisse, die die Massen und Medien anziehen.

Während die römische Kirche und auch die orthodoxen Kirchen an Glauben und Mysterien festhalten – in wie weit diese aber der biblischen Grundlage entsprechen, sei zunächst dahin gestellt -, hat sich die evangelische Kirche – hierzulande zumindest – so ziemlich „wegentmythologisiert“. Mit anderen Worten, sie hat den Ast, auf dem sie sitzt, fleißig abgesägt. Mit Verwunderung stellt man die Glaubenslosigkeit fest und registriert Kirchenaustritte. Warum sollte auch jemand zur Kirche gehen, wenn es den Gott und Vater des Herrn Jesus Christus gar nicht gibt, oder nur in sehr stark übertragenem Sinne, und er so zu sagen in einem winzigen Privatkämmerchen, nicht größer als eine Hundehütte, sein „Unwesen“ treiben darf.

Ich selbst habe folgendes erfahren: Als ich mich mit 24 Jahren zu Christus wandte erlebt ich ihn in mächtiger Weise. Eine bis dahin nie gekannte Gewissheit durchströmte mich auch körperlich und ich wusste: Er lebt! Als ich dann mit dieser neu erfahrenen Freude meinem ehemaligen Konfirmationspfarrer, den ich hoch schätzte, begegnete, erstarrte dieser sichtlich und wollte mit mir nichts mehr zu tun haben. Ich hatte gar nicht viel gesagt: Nur, dass ich jetzt an Jesus glaube.

So erging es mir mit vielen Leuten. Gewiss in mir brannte es und ich habe überall davon erzählt, was manche, besonders wohl einige Kirchenleute sehr befremdete. Hätten sie es lieber gesehen, wenn ich auf meiner Suche nach Sinn und Leben in Drogen und Verzweiflung untergegangen wäre? Nun geht es ja insgesamt nicht um mich allein. Aber was ist mit den Kirchen und Kirchenvertretern los, die das nicht mehr glauben, zu dessen Verkündigung sie bestellt worden sind? Diese Blase muss einfach irgendwann platzen

Ich habe Christus in einer kleinen Gemeinschaft gefunden bestehend aus hauptsächlich vom Osten stammende Flüchtlingen, die einfach das auch glaubten und lebten, was sie verkündeten – authentisch. Man nannte und nennt sie eine Sekte, weil sie eben nicht an Papst und klerikaler Hierarchie glaubten und glauben, sondern, das verwirklichen wollen, was Jesus sagt: … ihr aber seid untereinander Brüder“.

Später habe ich dann gesehen, dass auch hier „mit Wasser gekocht wird“ und manches Ungereimte geschieht, doch, wo die Menschen wirklich kindlich – nicht kindisch – glauben, fand ich Christus, oder Christus fand mich. Ich lernte auch, dass es nicht auf den „Verstandesglauben“ ankommt, sondern auf den Glauben von ganzem Herzen. Ich ahnte damals nicht, dass ich nach einigen Jahrzehnten selbst Leiter dieser Gemeinde werden würde. Die Gemeinden sind eingebunden in ein Netz freier Gemeinden, die als Grundlage die Bibel anerkennen, und miteinander Austausch und Gemeinschaft unterhalten.

Sie gehören zur weltweiten Pfingstbewegung. Pfingstbewegung deswegen, weil hier geglaubt und erlebt wird, was insbesondere die Apostelgeschichte beschreibt: Die Wirksamkeit des Geistes Gottes. Die Pfingstbewegung ist die am stärksten wachsende christliche Bewegung weltweit. Als Zeichen für den Empfang des Heiligen Geistes wird das Reden in neuen Sprachen angesehen. Darüber hinaus erwarten wir das Wirken Gottes nicht nur in unseren Gottesdiensten, in welchem sich die neutestamentlichen Gaben des Geistes Gottes manifestieren.

Wir als Gemeinde arbeiten gerne mit anderen Christen zusammen, deren Grundlage die Heilige Schrift ist. Wir sind nicht die einzig Richtigen oder die Allein-Selig-Machenden. Das Gebet Jesu um Gemeinschaft und Einigkeit sehen wir aber weniger darin erfüllt, dass man sich in irgendwelchen Dachverbänden auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert, sondern, dass Nachfolger Jesu miteinander Gemeinschaft haben und mit Ernst nach dem Willen Gottes fragen.

Weltweit basteln junge, fehlgeleitete Menschen an Sprengstoff und Bomben, die sie selbst und viele andere Menschen im Geiste des Hasses in den Tode befördern sollen. Sie werden „Märtyrer“ genannt. Welche Entartung dieses Begriffes. Märtyrer (Blutzeugen) waren jene Nachfolger Jesu, die aus Liebe zu Got

t und zu den Menschen, bereit waren, sich selbst von hasserfüllten, verblendeten Zeitgenossen kreuzigen, verbrennen, zersägen und auf allerlei erdenklich Weise töten zu lassen und für diese sogar noch zu beten! Sie waren lebendige Bomben der Liebe. Weltweit setzten und setzen sich Menschen oft unter Preisgabe des eignen Lebens für das Evangelium ein, indem sie Hilfsbedürftigen helfen, an sozialen und diakonischen Projekten teilnehmen. Mögen es viel mehr werden. „Bombenbastler der Liebe Gottes“ würde ich sie nennen.

Jesus sagt: „Nicht alle, die HERR, HERR sagen, gehören in das Himmelreich“. Er spricht von Unkraut, von untreuen Knechten, von Heuchlern. Das Evangelium ist durch das Bekanntwerden des schlechten Lebenswandels von Christen – ob hartnäckige Heuchler, oder schwach Gewordene – oft verlästert worden. Doch gibt es keine bessere Botschaft, keine größere Hoffnung, aber auch kein schwereres Urteil als das, welches uns im Neuen Testament gezeigt wird.

Sünde ist ein Problemwort unserer Zeit. Entweder wird es verniedlicht – man spricht von „sündigen“ beim Essen oder von „Verkehrssündern“, und es gibt die „Umweltsünder“ – oder Schuld und Sünde im eigentlichen Sinne wird einfach geleugnet. Davon wollen wir heutzutage nichts mehr hören. Kaum jemand ist mehr an irgendwas Schuld. Es war die schwere Jugend, die schlechte Erziehung …. Sehr schade! Auf diesem Weg fällt es natürlich auch schwer, etwas daran zu ändern. Man kann ja nichts dafür! Die Umgebung oder Gott, wenn es einen gibt, der ist Schuld.

Doch die Heilig Schrift spricht eindeutig von Schuld und Sünde. Nach der Schrift schuf Gott den Menschen nicht als Tier unter seines gleichen, sondern nach seinem Bilde. Mit einem Teil seiner Kreativität und auch mit Entscheidungsfreiheit, die er leider missbrauchte und täglich missbraucht. Ich persönlich erkannte mich als Sünder im Lichte Gottes und empfing Barmherzigkeit, deshalb bin auch anderen gegenüber barmherzig. Barmherzigkeit und Vergebung sind Hauptbestandteile des Evangelium.

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