Dietrich Bonhoeffer

Lese gerade „Bonhoeffer“ von Eric Metaxas. Es fesselt mich auf der einen Seite die solide Arbeit des Autors, der hier ein wahrhaft hervorragendes Werk geschaffen hat, und auf der anderen Seite natürlich noch mehr das Leben Dietrich Bonhoeffers.
Welch tiefgründige Gedanken dieser Mann doch hatte und noch wichtiger welch eine gesegnete Lebenspur hinterließ er!  Viele seiner Äußerungen könnten treffender gar nicht sein. Man möchte sie gerne aufschreiben und auswendig lernen.  Die  gesamte Schilderung kommt mir wie ein realistisches Bild der damaligen Zeit vor, weit weg von der Geschichtsklitterung zeitgenössischer Historienromane. Auch die Innenansicht des braunen Wechsels in der Gesellschaft wird sehr deutlich.
Damals wurden die Begriffe mit nationalsozialistischen Inhalten gefüllt, so dass Licht als Finsternis, Finsternis als Licht, Gutes als Schlechtes und Schlechtes als Gutes bezeichnet wurden. Über diese Verdrehung spricht Gott durch den Propheten Jesaja sein „Wehe“ aus:  „Wehe denen, die das Böse gut nennen und das Gute böse ; die Finsternis zu Licht machen und Licht zu Finsternis; die Bitteres zu Süßem machen und Süßes zu Bitterem!“
Wir leben in der heutigen Zeit in Deutschland und Europa, Nordamerika, Australien und den Ländern „des Westens“ nicht in einer derart finsteren Diktatur, doch verschieben sich in unserer Zeit nicht auch die Wert bzw. haben sich verschoben? Für mich als Christen sind viele Dinge einfach nicht akzeptabel. Was ist mit der Abtreibung, den unzähligen Ungeborenen in unseren reichen Ländern? Was ist mit den Dingen, die die Bibel eindeutig als Sünde bezeichnet? Ok, wenn der säkulare Staat sich von den christlichen Grundlagen verabschiedet, ist das eine Sache. Obwohl man ernsthaft daran zweifeln kann, ob Staaten wirklich dem Wesen nach christlich sein können. Jesus predigte  klar von zwei Reichen! Dem Reich oder den Reichen dieser Welt und dem Reich Gottes. Die Reiche dieser Welt werden in der Bibel oft als wilde Tiere beschrieben.
In der Gemeinde Jesu aber, dem Reich Gottes, dem Tempel aus lebendigen Steinen darf es keine Verwechselung geben. Licht bleibt Licht, Finsternis bleibt Finsternis und das, was die Bibel als Sünde bezeichnet, muss Sünde bleiben. Das freilich nicht nach dem Buchstaben in gesetzlicher Weise, sondern nach dem Geiste, welcher das Jota oder wie Luther es ausdrückte das Tüttel mit einbezieht.
Dies gilt auch heute! Bonhoeffer bezeichnete die damalige Zeit des braunen Terrors und des Krieges als eine Zeit, in der, wie in Zeitraffer, all das abläuft, was eigentlich sowieso schon vorhanden ist, nur unterschwellig.
„Wer hält stand? Allein der, dem nicht seine Vernunft, sein Prinzip, sein Gewissen, seine Freiheit, seine Tugend der letzte Maßstab ist, sondern der dies alles zu opfern bereit ist, wenn er im Glauben und alleiniger Bindung an Gott zu gehorsamer und verantwortlicher Tat gerufen ist, der Verantwortliche, dessen Leben nichts sein will als eine Antwort auf Gottes Frage und Ruf?“
„Wenn man in einen falschen Zug einsteigt, nützt es nichts, wenn man im Gang entgegen der Fahrtrichtung läuft.“
… Man muss dann aus dem Zug aussteigen und in den richtigen Zug einsteigen.
Bonhoeffer sieht in besonderer Weise die Verantwortung des Christen:
„er hat das Christenleben theologisch als verantwortliches Handeln und nicht als passives Geschehenlassen verstanden. Christsein – das heißt nicht bloß die Sünde zu meiden oder bestimmte Gesetze, Prinzipien und Lehren zu glauben …., sondern sein Leben in den Gehorsam gegenüber den Ruf Gottes zu stellen… Das ist kein ängstliches, verkrüppeltes Leben, sondern ein Leben in wilder, freudiger ausgelassener Freiheit.
Freie Verantwortung beruht auf einem Gott, der das freie Glaubenswagnis verantwortlicher Tat fordert und den, der zum Sünder wird, Vergebung und Trost zuspricht.“ S 554
Kein frommes Muckertum, sondern Leben in Freiheit und Fülle!
Und doch hat Bonhoeffer immerzu vor Fanatismus gewarnt. Ein Christ, der sich nicht den Regeln der Anstands, der Zurückhaltung und des Taktes unterordnet, um dem vermeintlichen Willen Gottes gehorsam zu sein, ist einem Irrtum erlegen. Bemerkenswert ist das Zeugnis, das er durch sein vorbildliches Leben, durch seine Freundlichkeit sogar seinen Wächtern und garstigen Mitgefangenen gegenüber hinterlassen hat. Die Aussagen über den Eindruck, den Bonhoeffer bei seinen Mitgefangenen hinterließ sind einfach umwerfend. Er selbst hat sich als sehr fehlerhaften schwachen Menschen empfunden, der seine Hoffnung allein in der Gnade Gottes begründet. So können wir Gott nur von Herzen danken für solchen einen leuchtenden Zeugen Christi. Wenn das Buch nicht wegen seines erheblichen Umfanges und der sorgfältigen Recherche mit Recht so teuer wäre, würde ich es zig mal bestellen und an alle verschenken.

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