Die unruhige Seele

Der Kirchenvater Augustinus hatte in seinen Bekenntnissen einen bedeutenden Satz gesagt, der auch immer mal wieder zu hören ist: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Herr.“ Oft wird dieser Satz auf die Wahrheitssuche des Menschen bezogen, der überall sucht und sich dann zu Jesus Christus wendet und Vergebung und Frieden findet. Dies ist in der Tat ein überwältigendes Ereignis! Der Tag der Wiedergeburt und Erneuerung. Die Bibel redet überschwänglich davon: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurch gedrungen!“ 1

Es kommt in unzähligen Erlebnisgeschichten zu allen Zeiten immer wieder zum Ausdruck, dass man wirkliche Ruhe und Befriedigung letztlich nur in dem finden kann, der uns erschaffen hat. Der alte Simeon, der das Kind Jesus in den Armen hält drückt es so aus: „Herr nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast, denn meine Augen haben deinen Retter gesehen, den du bereitet hast vor allen Völkern ein Licht, zu erleuchten die Heiden zum Preis deines Volkes Israel!“2 Ohne auf alle Facetten einzugehen, die in dieser prophetischen Aussage enthalten sind, insbesondere bezüglich Israels, wird hier klar: Nicht irgendein „lieber Gott“ ist es, der Heil bringt, sondern Jesus Christus! Wer ihn erfahren hat, der ist zu Hause angekommen!
Auch die Samariterin am Jakobsbrunnen begegnete dem Messias. Zunächst geht es um das materielle Wasser und den rein natürlichen Durst, der gestillt werden muss, dann aber im weiteren Gespräch geht es um das „Wasser des Lebens“, dass Jesus geben kann, das allen Durst stillt, nämlich den Durst  der Seele, des unruhigen Herzens. Im Verlauf des Gesprächs geht  es dann um die Suche, nicht des Menschen nach Gott, sondern die Suche Gottes nach Anbetern: „Aber die Stunde kommt und ist schon da, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden; der Vater sucht solche Anbeter!“ 3
Der Jakobsbrunnen lag zu Füßen der Berges Garizim, wo die Samariter ihr höchstes Heiligtum hatten, das – zwar zerstört- aber dennoch Ort der Anbetung war, und die Juden hatten den Ort ihrer Anbetung in Jerusalem. Zwei feindliche Völker zerstritten über  Art und  Ort der Anbetung! Religiöse Zwistigkeiten sind oft Ursache und zumindest Vorwand für Auseinandersetzungen und Kriege, bei denen es dann aber letztlich um Machtansprüche geht.
Jesus hingegen geht es nicht um Orte der Anbetung und auch nicht, um die äußere Anbetung und ihre Form, sondern viel tiefer: Es geht um die Anbetung im Geist und in der Wahrheit!
Die Überschrift dieser kurzen Ausführung heißt: Die unruhige Seele! Und die Frage, die dahinter steht: Wie bringen wir als Christen, als Menschen, die wir die zu Anfang beschriebene Erneuerung, die geistliche Neugeburt erlebt haben, unsere Seele im täglichen Kampf und manchmal auch Krampf zur Ruhe?
David, der Psalmist, nahm in Zeiten der Bedrängnis seine Harfe und spielte und sang und fand durch alles Bitten, Fragen und Ringen zum Lobpreis und schließlich zur Anbetung Gottes. Er stärkte sich in Gott! Auch bei Jesus Christus heißt es: Er verbrachte die Nacht im Gebet zum Vater.4
Uns als neutestamentliche Christen ist ein wunderbares Werkzeug dazu gegeben: Das Gebet in „neuen Sprachen“, die Glossolalie.
Hier handelt es sich keineswegs um die Sprachen als Teil einer Prophetie, die nicht alle haben5, sondern um die Anbetung in Sprachen, von der Paulus spricht, in der wir Geheimnisse im Geist aussprechen, in der wir uns selbst erbauen, es handelt sich um das unaussprechliche Seufzen des Geistes!6
Leider handelt es sich hierbei auch um etwas äußerst Umstrittenes, besonders in einer Zeit, in der der Mensch und seine Leistungen im Vordergrund stehen. Was ist das schon, so ein „kindisches Blubbern ohne Sinn“, in den Augen der Menschen?
Aber ich will dir sagen, was es ist! Es ist in den Augen Gottes etwas unaussprechlich Schönes, wenn ein Mensch nicht nur äußerlich auf seine Knie geht, sondern  sich im Gebet komplett und vertrauensvoll der Führung des Geistes Gottes überlässt,  in „neuen Sprachen“ anbetet , und fängt gar an zu singen zu psalmodieren und lässt sich treiben im Ozean des Erbarmens Gottes! Halleluja! Sein ganzes Wesen wird durchspült vom Geist Jesu. Der  hochmütige Dünkel, der Krampf der selbst  gebastelten Theologie zerfällt, all die Sorgen, die geistliche Trockenheit werden aufgelöst in Harmonien Gottes. Der innere Mensch wird auferbaut und von Liebe erfüllt. Der Tröster, von dem Jesus im Kapitel 14, im Johannes Evangelium spricht, der Geist von Pfingsten will alle Menschen mit sich selbst erfüllen! Nicht mehr fromme Traditionen, Gebote und Gesetze bringen Leben und Erfüllung, sondern Christus wohnt in uns und sein Wesen erfüllt uns und leitet uns an zu einem Gott wohlgefälligen Leben!
Eben deshalb ist diese Art der Anbetung so umkämpft beim Einzelnen und bei Gemeinden! Doch die Urchristen waren bemüht darum, dass dies jeder erleben sollte! Sie fragten danach und beteten bis es jeder erlebte, bis der Geist Gottes die Tiefen der unruhigen Seele erfüllte.8
Die gregorianischen Choräle sind nur ein schwacher Widerhall, jener Zeiten, in der die Gemeinde Jesu gemeinsam in Zungen sang und ein starkes Wehen des Geistes Gottes alle erfasste. Leider wird auch wieder sichtbar, dass oft nur die Asche übrig bleibt und das Feuer längst woanders brennt.
Ich möchte dennoch uns allen Mut machen ernsthaft danach zu suchen. Auch uns, die wir dieses Erlebnis einst gemacht haben, aber uns ablenken ließen, es nicht pflegten oder es nur bei einem rein äußerlichen Zungengebet bewenden ließen, einem fernen Echo echter Innerlichkeit, echter Zerbrochenheit. Uns möchte ich es ins Stammbuch schreiben, ins Herz reden: Suchen wir Jesus, beten wir in neuen Sprachen, nehmen uns Zeit zu psalmodieren, dass unser Inneres erfüllt wird und wir nicht nur eine schallende -aber leere- Zimbel sind!
Doch auch an dieser Stelle darf es uns nicht um äußere Formen gehen, um etwas, das die Einen eingrenzt und die Anderen ausgrenzt! Wehe! Leider geschieht dies oft:
Leider habe ich schon – wie oben erwähnt- aus den Mündern mir ansonsten sehr geschätzter Christen gehört: „Dieses kindische Geblubber!“ Ich fürchte mit dieser Einstellung können sie es nicht verstehen und werden  es auch nicht erleben! Es erscheint ihnen einfach als Torheit!
Doch die andere Einstellung: „Ich habe das erlebt, ich bin besser!“ oder „die haben ja nicht den heiligen Geist!“ ist eben so schlimm!   Mir sind genügend Menschen begegnet, die wie Apollos „brennend im Geist“ sind aber durchaus noch der weiteren Unterweisung bedürften, wenn sie es denn wollen. Doch da sind wir, die wir geistgetauft sind, in Zungen beten, aber unser Leben lässt oft jene Kraft, Herrlich- und Herzlichkeit vermissen, die eigentlich die Folge einer Erfüllung und Taufe im Heiligen Geist ist!
Geliebte, wollen wir uns nicht entmutigen, sondern ermutigen, unsere unruhige Seele völlig stillen lassen im Ozean des lebendigen Stromes, der von Gottes Thron fließt und jedem zugänglich ist, der bereit ist sich zu demütigen und einfach nur zu trinken! „Und der Geist und die Braut rufen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.8

Ein altes Lied9 lädt dazu ein :

O wie kostbar ist die Kunde, die mein Herz erfüllt, die im Wechsel jeder Stunde all mein Sehnen stillt:
Gestern, heute und für immer bleibt unwandelbar Jesus Christus stets derselbe, der er ewig war!
Wer kann dies Geheimnis fassen, dass doch Wahrheit ist? Heute noch auf unsern Straßen wandelt Jesus Christ.
Wie die silberhelle Quelle unerschöpflich fließt, wie im Meere Well´ auf Welle unabsehbar ist, so ergießt sich Gottes Fülle ewig durch den Sohn, als ein mächtiger Strom des Lebens von des höchsten Thron.
Kannst du dies Geheimnis fassen, das doch Wahrheit ist, dass der Strom der goldnen Gassen, dir zu Füssen fließt?
Wie im lichten Strahl die Sonne aller Welt sich schenkt und mit einem Strom der Wonne ihre Kinder tränkt, also gibt sich Jesu Liebe frei in jedes Herz, weckt des ew´gen Frühlings Triebe, heilt der Sünde Schmerz. Hast du diesen Schatz gefunden, sag es weiter fort, Jesus dringt durch alle Stunden wohnt an jedem Ort. J

Gottes Stimme, die vor Zeiten uns das Heil verhieß, als sich Adam ließ verleiten, einst im Paradies, diese Stimme tönt noch immer durch die Zeiten fort. Lockt so innig, schweiget nimmer, ruf an jedem Ort. Ja die ew´ge Weisheit ladet alle zu sich ein. Wer in diesem Quell sich badet wird gesund und rein. Ja die ew´ge Weisheit ladet alle zu sich ein.
Sage an kennst du die Stätte, wo der König wohnt, wo Er gerne mit dir red´te, wo er ewig thront? Seele suche nicht im Fernen, was dir liegt so nah! Nicht erst über jenen Sternen! Er ist ja schon da! Nur die Einfalt kann es fassen, die sich selbst vergisst, auf des Herzen stillen Straßen wandelt Jesus Christ. Wer ihn dort will ganz umfassen, alles sonst vergisst
.

1: Joh. 5:24 – 2: Lu 2:29  – 3: Joh. 4:23/24 – 4:  Lu 6:12 – 5: 1.Kor.12:30 – 6: 1.Kor.14:2; Apg. – 2:3,  Apg. 10:46, Apg.10:6 , Rö 8:26 – 7: Apg. 8:14ff, Apg 19:2 – 8: Offb. 22:17
9: Pfingstjubel  Nr 4828

Ein Gedanke zu „Die unruhige Seele

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.