Die Große Inkompatibilität

Ihr Lieben zum Gelingen der kommenden Festtage und darüber hinaus des ganzen Lebens wünsche ich Euch allen von Herzen Gottes Segen.
Als Medizin dafür – auch gerade im Anbetracht der oft  tückischen Festtage  –  fand ich folgenden schönen, tiefsinnigen Artikel in „Christianity Today“, den ich unverzüglich übersetzt habe.

Die Große Inkompatibilität
Jesus interessiert sich für die seltsamsten Dinge
Mark Galli

In jedem Bereich unseres Lebens werden wir aufgefordert nach Kompatibilität zu streben. Man sagt uns wir sollen Freunde finden, die kompatibel mit unseren Interessen sind, einen Job, der mit unseren Gaben kompatibel ist, eine Gemeinde, die mit unserer Theologie kompatibel ist und einen Ehepartner, der oder die rundum kompatibel ist! Natürlich steckt darin eine gewisse Weisheit. Gott möchte, dass wir die Schöpfung genießen, und die allgemeine Meinung geht davon aus, dass wir das Leben  mit kompatiblen Leuten unter kompatiblen Bedingungen mehr geniessen können.
Auch wenn ich als Spielverderber gelte, wären wir dennoch weise etwas tiefer nachzudenken darüber, warum wir so begeistert sind über Kompatibilität, denn die Bibel scheint uns nahezulegen, dass Kompatibilität nicht immer das Gelbe vom Ei ist.
Wie ich schon sagte: Einerseits ist es wirklich gut und gesegnet, wenn Leute „in Kompatibilität beieinander wohnen“, wenn sie Interessen, Meinungen, Neigungen und Abneigungen miteinander teilen. Andererseits  wenn wir den größten Teil des Lebens mit denen verbringen, die mit uns kompatibel sind, würde das bedeuten, dass wir die meiste Zeit vor einem Spiegel stehen. Wir mögen Leute, die mit uns kompatibel sind, weil wir Leute mögen, die so sind wie wir. Wir denken wir lieben den kompatiblen Gegenüber, aber in Wirklichkeit lieben wir uns selbst. Kompatibilität  kann ein Anstarren unseres eigenen Spiegelbilds bedeuten, wie der Mythos von Narzissmus aus dem griechischen Altertum.
Der sorgsame Leser mag bemerkt haben, dass ich oben einen Bibelvers etwas aufgebrochen habe. Die biblische Lesart ist, dass es ein Segen ist, wenn Männer und Frauen „in Einheit zusammen wohnen“ (Psalm 133.1). Das ist etwas anderes als in Kompatibilität beieinander zu wohnen, obwohl wir beides oft miteinander verwechseln. Einheit ist in gewisser Weise das Gegenteil von Kompatibilität. Je größer die Inkompatibilität ist, desto größer der Segen, desto wunderbarer die Einheit.  Einheit kann das tiefe Geheimnis der Liebe zeigen auf eine Art, wie es die bloße Kompatibilität nicht kann. Das ist ein Grund warum die Bibel voll von Ermutigung ist in Einheit zusammen zu wohnen und wenig oder gar nichts über Kompatibilität sagt.

Ein weiterer Grund, warum Kompatibilität so attraktiv für uns ist: Wir haben keinen Gefallen daran echte Nächstenliebe zu üben. Je  kompatibler wir mit dem anderen sind, ob Ehegatte oder Freund, desto weniger brauchen wir unser typisches Verhalten zu ändern.
Je  kompatibler wir mit unserem Job oder unserer Kirche sind, desto weniger wird uns von verlangt über uns hinaus zu gehen. In einem Zustand moralischer Herausforderung widerstrebt es uns wahre Nächstenliebe zu üben, welche aber unausweichlich zu Selbstverleugnung und zu Opfer führt. Nächstenliebe verlangt von uns eine Beziehung  einzugehen mit Leuten, die wir normalerweise nicht beachten, genau so wie in Institutionen zu bleiben, die  wir als unangenehm empfinden.  Unsere gewöhnliche Begründung widerwärtige Beziehungen oder Institutionen zu meiden ist erstens zu sagen  „Wir haben nicht viele Gemeinsamkeiten“  und zweitens: „Es (Er/Sie) passt nicht zu mir!“

Aber mal kurz nachgedacht und wir sind ertappt, besonders in dieser Jahreszeit. Dies ist die doch die Jahreszeit, in der wir uns an den erinnern, der so völlig inkompatibel zu unserer Natur war – Heiligkeit versus Sünde, Unendlichkeit versus  Vergänglichkeit, Liebe versus Selbstsucht – und doch: Er machte sich eins mit unserer Natur. In dieser Jahreszeit feiern wir den Einen, der sich erniedrigte, um der Welt das Heil zu bringen: Der Meister, der Knecht wurde, der ewige und glorreiche Gott starb einen schmachvollen Tod. Und dies, um es modern auszudrücken, war keine optimale Verwendung seiner Gaben und Talente.
Es war aber der Ausdruck seines „natürlichen Interesses“ – nämlich wir.
Wenn wir darüber reden, wie wir gemeinsam mit anderen einem Interesse nachgehen, so handelt es sich um gemeinsame Aktivitäten oder Gesprächspunkte. Selten handelt es sich um ein wirkliches Interesse an anderen Menschen, besonders wenn es sich um Menschen handelt, die inkompatibel mit uns sind. Aber gerade dahin zielt das Hauptinteresse Jesu, oder besser sein Verlangen.
In dem Moment, wenn wir erkennen, dass die große Inkompatibilität zwischen Gott und uns überbrückt wurde, streben wir danach mehr kompatibel zu sein mit dem, der das abgrundtief Inkompatible überbrückte. Dies verlangt von uns sich  mehr dafür zu interessieren, was Jesus interessierte. Das schließt auch Menschen ein, die inkompatibel mit seinen Werten sind – die Unmoralischen, Götzendiener, Rebellen und so weiter. Es bedeutet sich anzufreunden mit Menschen, die nicht sehr nützlich für ihn zu sein scheinen: Die Schwerbehinderten, die Menschen, die in Rehakliniken sind und so weiter. Es bedeutet Organisationen zu unterstützen, die oft eine Kombination von guten Werken und institutioneller Selbstgefälligkeit an den Tag legen, Liebe und Tücke, Freigiebigkeit und Gier, Einheit und Trennung – wie z.B. die örtliche Kirche/Gemeinde, die Institution nämlich gegründet und geleitet und bewohnt von Jesus.
Jesu Interessen  mit zu tragen bedeutet natürlich nicht einfach einen Schalter umzulegen. Es ist keine leichte Sache sich wirklich mit dem zu identifizieren, was einen anderen interessiert und um so mehr mit Jesus, dessen Interessen so verblüffend sind. Könnte er nicht ein einziges Mal die Leute meinen, mit denen wir  auf natürliche Weise kompatibel sind? Natürlich tut er dies. Aber seine Fürsorge gilt ebenso den Inkompatiblen.

Tagein, tagaus das Inkompatible zu lieben, Woche für Woche in einer inkompatiblen Institution  zu bleiben, das übersteigt die Fähigkeit der Sterblichen. Gott weiß, dass wir ein schwaches Volk sind, die regelmäßig rückfällig werden, zurück in ihre kompatiblen Netzwerke fallen, machmal nur, um einmal durchzuatmen. Dann sind die kompatiblen Leute in unserem Leben wirklich Gaben Gottes, nicht weil sie das Ende in sich selbst bedeuten, aber weil sie uns eine Verschnaufpause und Stärkung bringen, paradoxer Weise um uns von ihnen abzuwenden und die Inkompatiblen zu lieben.

Während der Weihnachtszeit, befinden wir uns in der Vorfreude mit den Kompatiblen zu feiern und die unausweichlichen  Begegnungen mit den Inkompatiblen zu fürchten.
– Weihnachtsessen mit Verwandten haben wir niemals gemocht, Büro- Parties mit den Mitarbeitern, die uns auf die Nerven gehen, Straßenbegegnungen mit den Heimatlosen usw.. Mit anderen Worten, viele, viele  Möglichkeiten uns für die zu interessieren,  für die sich Jesus interessierte.

Zur Vertiefung könnte man endlose Bibelstellen angeben:
Einige seien erwähnt:
Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen ……… Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, was habt ihr für einen Lohn? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? Mt. 5:43 ff.
Er aber sprach zu dem, der ihn eingeladen hatte. Wenn du ein Mittags- oder Abendmahl machst, so lade weder deine Freunde noch deine Brüder noch deine Verwandten noch reiche  Nachbarn ein, damit sie dich nicht etwa wieder einladen und dir vergolten wird. Sondern, wenn  du ein Mahl machst, so lade Arme, Verkrüppelte, Lahme und Blinde ein, dann wirst du selig sein ….. Lu 14:12ff
und „last but not least“:
Also hat Gott die Welt geliebt, dass Er seinen eigen Sohn gab, auf dass jeder der ihm glaubt nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat (Joh. 3:16)

Ein Gedanke zu „Die Große Inkompatibilität

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