Dienen heißt Leiden

Ein Artikel aus „Christianity Today“, den ich neuerlich las, hat einen sehr starken Eindruck auf mich gemacht. So dass ich der Überzeugung bin, dass ihn jeder lesen sollte. Seine Beherzigung könnte uns allen echte Heilung bringen, sowohl dem Einzelen als auch den Gemeinden. Mich selbst jedenfalls hat er sehr getroffen. Da er natürlich in Englisch ist, habe ich mich bemüht ihn zu übersetzen. Wahrscheinlich nicht ganz genau und auch nicht ganz ohne Fehler. Wer ihn gerne im Original lesen möchte findet ihn hier.

Bitte teilt mir Eurer Verbesserungsvorschläge mit.

Dienen ist Leiden

Wenn der Apostel Paulus Erschöpfung, Verdruss und Sorge in seinem Dienst kannte, warum denken wir wir könnten dies in unserem Dienst  vermeiden?

Nordamerikanische Christen sind auf die Leiden der Christen auf der Südhalbkugel zumindest seit 1996 aufmerksam gemacht worden, als eine Koalition von Katholiken, Protestanten und jüdische Aktivisten begannen das Augenmerk auf die Christenverfolgung jenseits des Westens zu lenken. Wenn Christen, speziell solche vom Westen, sich um die weltweite Christenverfolgung kümmern, sehen sie diese durch die Brille der Menschenrechte.
In Folge der globalen Auseinandersetzung hilft uns der Pastor und Evangelist aus Sri Lanka Ajith Fernando Leiden als einen wesentlichen Bestandteil von Jüngerschaft zu erkennen, und dies gilt insbesondere für solche, die zu Leitern berufen sind.


Ich schreibe dies kurz nachdem ich von einer Lehrwoche für Pastoren tief im Süden Sri Lankas zurückgekehrt bin. Die Erfahrung dieser Pastoren zeigt, dass wenn Leute in unerreichten Regionen Pionierarbeit tun, sie im Durchschnitt 10 bis 15 Jahre warten müssen bis sie signifikante Frucht und nachlassende Feindschaft erleben. In den ersten Jahren werden sie verleumdet und ungerecht beschuldigt. Steine werden auf ihre Dächer geworfen, ihre Kinder machen in der Schule eine schwere Zeit durch und sie erleben nur wenige richtige Bekehrungen. Viele dieser Pioniere geben nach ein paar Jahren auf. Aber solche, die ausharren,  bringen viel Frucht für die Ewigkeit.  Ich bin gedemütigt und beschämt, wie ich über Dinge klage, über Probleme, die winzig im Vergleich zu den ihren sind.

Wenn ich von meinem Dienst in den Westen zurückkomme, sind meine Gefühle anders geworden. Ich war in der Lage „meine Gaben zu nutzen“ und die meiste Zeit habe ich Dinge getan, die ich mag.  Aber wenn ich mir vorstelle ich wäre ein Leiter in der wenig ergiebigen Gesellschaft Sri Lankas, trifft mich Frustration. Der Wechsel zwischen einem Redner im Westen und einem Leiter in Sri Lanka fällt schwer. Als Leiter bin ich gebundener Diener (doulos) der Menschen, die ich leite (2.Kor. 4:5). Das bedeutet, dass mein Terminkalender von ihren Bedürfnissen geprägt wird und nicht von den Meinen.
Die Erfüllung einer Berufung in Reich Gottes ist etwas ganz anderes als ein Beruf in der Gesellschaft. Jesus sagt: „Meine Speise ist den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat und sein Werk zu vollenden“ (Joh. 4:34). Wenn wir Gottes Willen tun, sind wir glücklich und erfüllt. Aber für Jesus und auch für uns schließt Gottes Willen zu tun das Kreuz mit ein. Das Kreuz muss dass essentielle Element in der Definition der Erfüllung unserer Berufung sein.

Junge Reichgottesarbeiter, die zurück nach Sri Lanka kommen, nachdem sie im Westen studiert haben kämpfen damit. Sie sind hoch qualifiziert, aber unsere arme Nation kann ihnen nicht die Anerkennung geben, von der sie denken, dass sie ihrer Qualifikation entspricht. Sie können ihre Gaben nicht zur Entfaltung bringen, weil wir uns keine reinen Spezialisten leisten können. Sie kämpfen mit ihrer Frustration. Manche enden damit, dass sie ihr Land nach ein paar Jahren verlassen. Einige beginnen damit eine eigene Organisation zu gründen, um „ihre Vision“ zu erfüllen. Einige werden Berater und geben Experten-Training und Rat auf ihrem speziellen  Gebiet. Andere aber bezahlen den Preis, indem sie sich mit unserem Volk identifizieren und haben dadurch einen tiefen Einfluss auf die Nation.
Ich versuche solchen Studenten mitzuteilen, dass ihre Frustration bedeuten könnte, dass sie eine tiefere Einsicht erhalten. Ich erkläre ihnen, dass Leute wie Johannes Calvin und Martin Luther eine verwirrende Vielfalt von Verantwortlichkeiten hatten, so dass sie in ganzen Wirrwarr nicht nur ihre Gaben nutzen konnten. Aber doch segnen die Früchte ihrer Arbeit als Leiter und Schreiber bis heute die Kirche.

Frustration und Erfüllung

Die Theologie des Paulus betont die Notwendigkeit Frustration mit Geduld zu ertragen, da wir in einer gefallenen Welt Leben, die die Erlösung der Schöpfung erwartet.  Paulus sagt, das wir seufzen wegen dieser Frustration (Rö. 8:18-27). Ich glaube wir versäumen all die Widerwärtigkeiten  in die Erfüllung unserer Berufung mit einzubeziehen.
Eine Gemeinde, die ein falsches Verständnis der Erfüllung ihrer Berufung für ihre Mitarbeiter hat, wird gewiss krank werden. Das mag ein Grund sein warum in der Gemeinde so viel Lauheit zu finden ist.

Die gegenwärtige Betonung von Effizienz und messbare Resutate trägt dazu bei, das die Widerstände noch schwerer zu ertragen sind.
Die letzten vier Jahrzehnte industrieller und technologischer Entwicklung im Westen machte Effizienz und Produktivität zu Top Werten.
Mit dem schnellen ökonomischen Fortschritt, sind Dinge, die früher als Luxus angesehen wurden, nicht nur zu Notwendigkeiten geworden, sondern sogar die Christen sind erfüllt von der Vorstellung ein Recht auf all das zu haben. Unter diesen Umständen hat der christliche Gedanke von Hingabe und Opfer einen schweren Schlag abbekommen.

Wir nennen unsere Gemeinden, Kirchen und christliche Organisationen „Familien“ aber Familien sind sehr ineffiziente Organisationen. In einer gesunden Familie steht alles still, wenn ein Mitglied eine große Not hat. Wir sind oft nicht willig diese Hingabe auf das Leben im Leibe Christi auszudehnen.

Hingabe und Gemeinschaft
Das biblische Modell des Lebens in Gemeinschaft ist Jesu Befehl einander zu lieben, wie er uns geliebt hat.  Das bedeutet jeden einzelnen der Glieder für andere Glieder zu sterben (Joh. 10:12-13). Das Modell der christlichen Leiterschaft, ist das des guten Hirten, der sein Leben lässt für die Schafe ohne sie zu verlassen, wenn die Situation gefährlich wird. (Joh. 10:11-15). Wenn Gott uns in den Dienst ruft, ruft er uns zu kommen und zu sterben für die Leute, denen wir dienen. Wir lassen die Leute nicht im Stich, wenn sie Probleme haben. Wir sagen den Leuten nicht, sie sollen einen anderen Dienstort für uns finden, wenn sie gegen uns rebellieren. Wir arbeiten mit ihen bis wir entweder zu einem Einverständnis kommen oder uns damit abfinden, dass man mit uns nicht einverstanden ist.
Wenn Leute  insbesondere Leiter eine Gemeinde verlassen, weil sie mit dem Programm nicht einverstanden sind, kommuniziert dies eine tödliche Botschaft: Die Hingabe bezieht sich auf die Arbeit und nicht auf die Personen,  die Einheit bezieht sich in erster Linie auf die Arbeit  und nicht auf Christus das Evangelium. Das traurige Resultat ist, dass Christen nicht die Sicherheit einer Gemeinschaft haben, die zu ihnen steht egal, was passiert. Es entstehen laue Individuen ohne wahre Gemeinschaft, die sich  von Gruppe zu Gruppe bewegen. Gemeinden, die sich Programmen verschrieben haben, können zahlenmäßig wachsen, aber sie ernähren nicht biblisch orientierte Christen, die verstehen nicht wirklich, was es bedeutet zum Leib Christi zu gehören.

Zu Menschen zu stehen und bei ihnen zu bleiben ist frustrierend. Stundenlang einer verärgerten, verletzten Person zu zu hören erscheint ineffizient.
Warum sollten wir Zeit verschwenden mit Dingen, die Profis tun könnten? So werden Profis für Dinge eingesetzt, die nur Freunde tun können.
Idealerweise helfen Berater eine Diagnose zu erstellen und schwierige Fälle zu bearbeiten, aber  Freunde geben die Zeit, die nötig ist, um Heilung zu bringen durch Annahme, Trost und Freundschaft. Verletzte Menschen verletzen normalerweise solche, die versuchen ihnen zu helfen. Verletzte und verbitterte Menschen, denen wir uns widmen, werden auch uns verletzen.  Andere, die durch sie verletzt werden, könnten uns böse sein, weil wir zu ihnen stehen. Aber wir überwinden den Schmerz, weil Christus uns berufen hat für unsere Freunde zu sterben.

Zahlreiche Menschen bedauerten mich, indem sie sagten, es müsse hart und frustrierend sein in einem Land, das durch Krieg zerstört und feindlich dem Evangelium gegenüber ist. Ja, in der Tat, wir haben gelitten. Vor ein paar Monaten wurde einer unserer Mitarbeiter brutal überfallen und getötet. Aber ich denke die größten Schmerzen wurden mir zugefügt von „Youth for Christ“, der Organisation, für die ich 34 Jahre lang gearbeitet habe.  Ich kann auch sagen, nebst Jesus und meiner Familie war „Youth for Christ“ die größte Quelle der Freude in meinem Leben. Egal ob du im Osten oder Westen lebst, du wirst Schmerzen ertragen müssen, wenn du dich für Menschen hingibst. Diese Schmerzen können  vermieden werden: Wir können den Schmerzen aus dem Wege gehen, indem wir die Beziehung beenden oder an einen Ort wechseln, der mehr „erfüllend“ für uns ist. Aber was würden wir verlieren!?

Vor einigen Jahren bereitete ich mich auf eine Botschaft über Hingabe vor, während ich im Westen reiste. In der Zeit von wenigen Tagen erzählten mir drei Leute, wie sie oder jemand der ihnen nahestand eine Gruppe wegen Problemen verlassen hat. Einer hat eine unglückliche Ehe verlassen, ein anderer eine Gemeinde, ein anderer eine Organisation. Jeder von ihnen beschrieb sein Fortgehen als Erlösung von Leid. Aber ich konnte nicht anders als mich zu fragen ob es nicht in jedem dieser Fälle der christliche Weg wäre gewesen zu bleiben und zu leiden.

Getriebensein oder Knechtsgestalt?

Ich habe eine große Gruppe von Leuten, denen ich schreibe mit der Bitte um Gebet, wenn ich es brauche. Manchmal ist meine Not eine mich überkommende Müdigkeit. Wenn ich darüber schreibe, schreiben viele zurück, dass sie Gott darum bitten mich zu stärken und mich in meinen Plänen und Terminen zu leiten.
Doch es gibt Unterschiede wie Freude aus dem Osten und einige aus dem Westen mir antworten. Ich habe das starke Gefühl, dass viele aus dem Westen denken, dass der Kampf mit Müdigkeit  durch Überarbeitung  ein Zeichen für den Ungehorsam gegen Gott ist. Es ist nach meiner Überzeugung nicht richtig, wenn jemand durch Überarbeitung, Getriebensein und Unvorsichtigkeit krank wird.  Dennoch gehört Müdigkeit dazu, wenn wir, wie Paulus, den Menschen dienen wollen.
Das Neue Testament ist darin klar, dass diejenigen, die für Christus arbeiten, wegen ihrer Arbeit leiden müssen.
Müdigkeit, Stress und Anspannung mögen das Kreuz sein zu dem Christus uns beruft. Paulus sprach oft über die körperlichen Härten, die sein Dienst ihm brachten inklusive der emotionalen Anspannungen (Gal. 4:19; 2.Kor. 11:28), Ärger (2.Kor. 11.29), schlaflose Nächte und Hunger (2.Kor. 6:5), Bedrängnis und Ratlosigkeit (2.Kor. 4:8) und Mühen – Arbeit bis zum Umfallen (Kol. 1:29).
In seinen Äußerungen, die radikal konträr gegen die körperbewusste, Wohlfühl-Kultur der heutigen Zeit sind, sagte er: “ Während unser äußerer Mensch vergeht, wird unserer innerer Mensch Tag für Tag erneuert“ (2.Kor. 4:16); und „Denn wir die Lebenden werden immerdar dem Tod übergeben um Jesu willen, so dass das Leben Jesu in unserem sterblichen Leib offenbar wird. So ist denn der Tod in uns wirksam, in euch aber das Leben“ (2. Kor. 4:11-12). Ich fürchte viele Christen nähern sich diesem Text nur aus rein akademischem Interesse und nicht um zu erkennen, welche Auswirkung diese Verse auf ihr Leben haben sollen.
Der Westen, der gekämpft hat mit der Tyrannei der Zeit, hat dem Osten viel zu sagen über die Notwendigkeit von Ruhe. Der Osten hat dem Westen etwas darüber mitzuteilen,  wie man physische Probleme gerne annimmt,  die damit zusammenhängen, dass man sich für Menschen einsetzt. Wenn man denkt, es wäre falsch wegen des Dienstes zu leiden, dann leidet man an den Schwierigkeiten mehr  als diejenigen, die erkannt haben, dass Leiden ein unabwendbarer Schritt auf dem Weg ist Frucht zu bringen und die Berufung zu erfüllen. Weil das Kreuz ein Grundaspekt für Jüngerschaft ist, muss die Gemeinde christliche Leiter darauf vorbereiten Leiden und Härten zu erleben. Wenn dieser Aspekt in unser Bewusstsein eindringt, werden Leiden und Schwierigkeiten nicht wirklich unsere Freude und unserer Zufriedenheit beeinträchtigen. In 18 verschiedenen Abschnitten des Neuen Testamentes werden Leiden und gleichzeitig Freude in einem Zusammenhang genannt. In der Tat,  Leiden werden oft als Grund für Freude genannt (Rö 5:3:5;  Ko. 1:24; Jak. 1:2-3).

Die Herrlichkeit des Evangeliums

In einer Welt, in der körperliche Gesundheit, Aussehen und Befinden eine fast götzenhafte Wichtigkeit erlangt haben, ruft Gott Christen die Herrlichkeit des Evangeliums zu demonstrieren, indem sie voller Freude und Zufriedenheit sind, während sie Leiden und Schwierigkeiten ertragen. Menschen, die unausgefüllt sind, nachdem sie Dinge verfolgt haben, die sie nicht befriedigen, mögen erstaunt sein Christen zu sehen, die voller Freude und zufrieden sind, nachdem sie sich selbst für das Evangelium entäussert haben. Das mag ein neuer Weg sein die Herrlichkeit des Evangeliums einer hedonistischen (genusssüchtigen) Gesellschaft  zu demonstrieren.

Ich habe eine große Sorge um die Gemeinde. Der Westen entwickelt sich schnell zu einem unerreichten Gebiet. Die Bibel und die Geschichte zeigen, dass Leiden ein essentieller Bestandteil ist, um unerreichte Menschen zu gewinnen. Wird der Verlust der Theologie des Leidens dazu führen, dass die Gemeinde des Westens unbrauchbar für  Evangelisation sein wird? Die Gemeinde des Osten wächst stark und deshalb leiden die Diener Gottes. Bedeutende geistliche Fundamente und Erziehung wird aus dem Westen in den Osten gebracht. Damit steigt auch der Einfluss. Könnte es sein, dass der Einfluss des Westens den Osten in der Art beeinflusst, dass dieser die Theologie des Kreuzes aufgibt, indem man den Christen zu Verstehen gibt, dass etwas verkehrt sein muss, wenn sie so leiden? Christen des Ostens wie des Westens brauchen eine feste Theologie des Leidens, wenn sie gesund sein und Frucht bringen wollen.

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