Meine Reise, Gottes Güte in der Gabe der Sexualität zu erkennen

Vor Kurzem hatten wir mit jemandem, der dem christlichen Glauben gegenüber noch skeptisch ist, ein intensives Gespräch über Sexualität, das mich wieder neu zum Nachdenken über dieses Thema gebracht hat.  Sein Standpunkt in Kürze: 

Er sehnt sich von ganzem Herzen nach einer Frau, findet aber keine. Dabei ist Sex für ihn das Wichtigste in einer Beziehung, der Dreh- und Angelpunkt, sozusagen. 

Wir als gläubige Christen versuchten ihn nicht gerade vom Gegenteil zu überzeugen, aber doch auch davon, dass Sex besonders in der heutigen Zeit überwertet sei, dass Christus das Centrum sein müsse usw. Ob es uns gelungen ist? Ich weiß es nicht. Natürlich hatten wir Recht und es gibt in der Tat die Möglichkeit, ehelos und ohne Sex glücklich und erfüllt zu leben, davon bin ich überzeugt. Nach meiner Bekehrung habe ich eine ganze Zeit glücklich in der Beziehung zu Jesus gelebt und als ich heiratete, war dies nicht, weil mich so sehr nach Sexualität gesehnt hätte. Immerhin hatte ich in meinem vorherigen Leben mit wechselnden Partner gelebt, aber eben auch nicht glücklich. Und doch hatte unser Freund nicht völlig Unrecht, denn in der Tat gehört die Sexualität in aller Regel dazu. Sie ist von Gott gegeben, nicht nur um Kinder zu zeugen. Wie anders ist beispielsweise das Hohe Lied in der Heiligen Schrift zu verstehen? Sollten wir es als „geistliche Christen“ nur allegorisch deuten? Das glaube ich nicht. Auch wenn der Apostel Paulus in seinen Aussagen, die Sexualität nur als eine Art Zulassung zu beschreiben scheint, so müssen wir doch die Gesamtaussage der Schrift als Wahrheit ansehen. Gewiss mag es nicht selten Fälle geben, wo Ehepaare aus schwerwiegenden Gründen (Krankheit, Rücksichtnahme usw.)  ihre Liebesbeziehung hauptsächlich auf der Ebene der Agape, der göttlichen Liebe und der Philia, der Freundesliebe, leben, und indem sie nahe bei Gott sind, darin Bestärkung und Erfüllung finden. Doch kann dies nur in ehrlichem, echten gegenseitigem Einverständnis erfolgen und ein Vorbild für die „normale Ehe“ ist es nicht. 
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